Bar mleczny

Veröffentlicht: 2. März 2015 in Allgemein
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VLUU L310 W  / Samsung L310 WBar mleczny, also wörtlich „Milchbar“, heißen jene einfach gestrickten Selbstbedienungslokale, die mein Reiseführer (liebe Mama, ich habe ihn wohl annektiert adoptiert) unter der Kategorie „Im Trend“ folgendermaßen beschreibt:

Krakau ist die Geburtsstätte […] der Milchbars, und hier startet auch das Revival. In ganz Polen erfreuen sich die einfachen Lokale wachsender Beliebtheit, auch bei immer mehr jungen, trendy Krakauern.

Abgesehen davon, dass ich an dieser Stelle ausnahmsweise über einen Anglizismus diskutieren wollen würde, nämlich das aus meiner Sicht eher grässlich unflektierte (nicht unbedingt, vielleicht aber auch: unreflektierte) „trendy“, war von Hip-Sein in jener Milchbar, in die ich gestern Nachmittag hungrig hineingefallen bin, nicht viel zu merken. Sie befindet sich zwar in einer touristischen Haupteinfallsroute direkt in der ul. Grodzka (die Rynek und Wawel verbindet), doch scheinen sich wenn, dann am ehesten innerpolnische Tourist_innen (und da bevorzugt Paare Ü30 und Großeltern mit Enkelkindern) dort hineinzuwagen.

Ich gebe zu, ohne die liebevoll im „Print, copy and paste“-Verfahren gestaltete, wandfüllende und vor allem zweisprachige Speisekarte wäre ich wahrscheinlich auch wieder geflüchtet. So hatte ich die Gelegenheit, mich anhand der englischen Übersetzung zu vergewissern, was ich wollte, mir dann die polnische Bezeichnung einzuprägen und diese mit erbarmungswürdigem Akzent und einem angefügten „proszę“ (bitte) der forsch-flinken Angestellten hinter der Theke mitzuteilen. Es hat, zu meiner eigenen Verwunderung, funktioniert – ebenso wie das Bezahlen bei einer anderen, noch forscher wirkenden Angestellten an der Kasse, ohne dass diese etwa das von mir vorgelegte Geld als nicht genau oder nicht klein genug bemängelt hätte. (Man kann in Polen kaum genug Münzgeld und 10-Zloty-Scheine mit sich führen, möchte man kein Augenrollen bei Kassierer_innen aller Art hervorrufen; gleichzeitig wird einem das „ordentliche“ Bezahlen kleiner Summen durch Bankomaten und Wechselstuben erschwert, die den ahnungslosen Newbies stets schöne große Scheine in die Hand drücken).

Was ich bestellt habe, waren Kluski śląskie z gulaszem, also „Schlesische Knödel mit Gulasch“. Es handelt sich um Erdäpfelknödel mit ähnlicher Konsistenz, aber etwas handlicherer Größe als Waldviertler Knödel; das missing link zwischen österreichischer und polnischer Küche liegt also im Kartoffelteig (bzw. in der Küche jener Regionen, die im Mittelalter zur böhmischen Krone gehörten).

Zum Trinken hatte ich mir ein Glas Karottensaft von der buffetartigen Theke genommen, da dessen Farbe verheißungsvoll gesund aussah. Leider war der Geschmack entsprechend wenig verheißungsvoll, da eben seeeehr gesund.

Daher als Fazit: Die Bar mleczny im Allgemeinen und die Kluski śląskie im Besonderen sind höchlich zu empfehlen, doch für den Karottensaft gilt: Nicht zu Hause nachmachen, liebe Kinder…! 😉

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Kommentare
  1. derHase1 sagt:

    Yum, yum, beim Titel „Milchbar“ erscheinen vor mir die herrlichen nordamerikanischen Milchbars mit ihren bunten Milchshakes, Icecream-Sundays und – in verschiedenen Varianten – American dinerlike Speisekarten, wo man von „Moon over my hammy“ bis zu herrlichen Burgern so ziemliches alles – Ungesunde? – kriegt, was das Herz begehrt…. Aber ja, in polnischen Milchbars findet man das anscheinend eher … not. Die Knödel finde ich allerdings schon mal sehr interessant und wären definitiv ein Grund für mich in eine solche einzufallen! Knödel in einem American Diner wären ein no-go, schon allein weil die Amerikaner kaum bis gar keine Knödel essen. Na gut, wer nicht will, der hat schon. Und sollte ich in der Gegend sein: Auf in eine Knödel-Milchbar!

  2. Juliane sagt:

    Die Kluski harren deiner! 🙂
    Ich finde den Titel „Milchbar“ ja auch etwas gewöhnungsbedürftig, wobei für mich wahrscheinlich auch in USA gewöhnungsbedürftig wäre, dass man in einer „Milchbar“ auch Burger kriegt. Allerdings lauert hier ein Vorteil für Leute mit schlechter Sprachbeherrschung: Mir ist, wenn ich „Bar mleczny“ denke, nicht _dauernd_ bewusst, dass „mleczny“ „Milch“ (eig.: „milchig“) heißt, d.h. ich blende meine Joghurt- und Milkshake-Assoziationen einfach aus und konzentriere mich auf die proteinhaltigeren Angebote….

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