Seitenwechsel

Veröffentlicht: 20. März 2015 in Allgemein
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Von der Seite der Lernenden auf die der Lehrenden zu wechseln, ist ein starkes Stück, auch wenn man im Prinzip nie vollständig auf einer der beiden Seiten ankommt – man lernt auch als Lehrperson laufend dazu, die verschiedensten Dinge, und man kann auch als Lernerin (hoffentlich) das eigene Wissen und Können in den Unterricht einbringen.

Es gibt aber auch ganz andere Seitenwechsel, die mitunter ebenfalls symbolisch aufgeladen sein können, zumindest für einen selbst. Ein sehr gegenständlicher Seitenwechsel ist es, auf der Uni Wien von der rechten (‚Philosophentrakt’) in die linke Gebäudehälfte (‚Juristentrakt’) hinüberzuwechseln. Im zweiten Stock des Gebäudes kann man das (als einzigem Stockwerk, jedenfalls für das allgemeine Publikum) auf geradem Weg und ohne das Gebäude zu verlassen (was im zweiten Stock, zumal eines riesigen Neorenaissance-Gebäudes, auch nicht besonders ratsam wäre). In den beiden Gebäudehälften befinden sich die beiden ‚großen G’ der Studienrichtungen: diverse Einrichtungen und Institute, die mehr oder weniger eng der Studienrichtung Geschichte zugeordnet sind, im Philosophentrakt; das Gros der germanistischen Einrichtungen und Büros im Juristentrakt.

Ich habe den Seitenwechsel nicht nur schon hunderte, vielleicht tausende Male gegenständlich vollzogen – durch das Durchschreiten des ‚blauen Gangs’, der wie beschrieben die beiden Gebäudehälften im zweiten Stock verbindet – sondern auch im übertragenen Sinn: Nachdem ich meine Studienlaufbahn als Geschichtestudentin begonnen habe und zwischendurch parallel auch an der Vergleichenden Literaturwissenschaft fleißig war (räumlich gesprochen ganz wo anders, wenn auch nicht immer), habe ich zum Masterstudium sozusagen auf die andere Seite der Macht gewechselt – zur Germanistik bzw. genauer gesagt eben zu DaF/DaZ.

Und jetzt, hier in Krakau, eben auch der zuerst angesprochene Seitenwechsel – zwar hospitiere ich derzeit hauptsächlich, ich habe aber eben auch schon sechs Doppelstunden selbst gehalten, und ja, es ist wirklich so – mittlerweile kann ich mir mich selbst viel besser als noch vor einem Monat in dieser „anderen“ Rolle vorstellen. Immer noch nicht für immer, und auch meine Vorbereitungszeit für die einzelnen Einheiten ist von 1:1 noch weit entfernt, aber ich stelle mich doch schon mit einer größeren Selbstverständlichkeit vorne hin und versuche, den Laden zu schupfen.

Dennoch habe ich das Gefühl, dass es mir so ähnlich gehen wird mit den Gebäudehälften der Uni Wien: Es wird noch einige Zeit dauern, bis dass sich die Seite, auf der ich mich jetzt (hauptsächlich) herumtreibe, als die „richtige“ anfühlt. Das klingt jetzt alles nach einem argen Dualismus, der es natürlich (hoffentlich) nicht ist, dennoch muss man sich klar sein und werden, dass man jetzt eben nicht in der Rolle „Studentin“ da ist. Erst recht wenn man, so wie ich gerade eben, eine schriftliche Stundenwiederholung verbessert…

P.S.: Gewiefte Uni-Wien-Kenner_innen werden wissen, dass sich drei Seminarräume des Instituts für Geschichte in der linken Gebäudehälfte befinden. Was das nun für die etwas bemühte Metapher oben bedeutet, sei dahingestellt.

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