Im Osten geht die Sonne auf…

Veröffentlicht: 21. März 2015 in Allgemein
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…und wie auch Steffen Möller (dessen Buch „Viva Polonia“ ich grundsätzlich empfehle, auch wenn ich manche Abschnitte nicht so ganz gelungen bzw. ohne rechten Witz übertrieben finde) schon ganz richtig festgestellt hat, liegt Polen besonders in einer Hinsicht im Osten: Im Osten der mitteleuropäischen Zeitzone nämlich. Zwar läge Krakau gar nicht mehr soviel weiter östlich als Wien (Tante Gugl sagt, die Sonnenaufgangszeit unterscheidet sich derzeit um genau 15 Minuten), aber im Verbund mit weiteren Fakten scheint diese Viertelstunde Sonnenlichtverschiebung gerade noch das Tüpfelchen auf dem i zu sein.

Denn es ist leider zu einer Zeit, in der ich (tagesplanerische Möglichkeit vorausgesetzt) noch gern schlafen würde (und aufgrund meiner üblichen Einschlafzeiten meistens auch noch schlafen sollte), gefühlt bereits mittagshell – einerseits sicher deswegen, weil die Vorhänge in meinem Zimmer die Bezeichnung hauptsächlich der Form nach verdient haben, und deutlich weniger, weil sie Licht abschirmen würden, und andererseits scheint bei meinem fast nordseitigen Fenster tatsächlich zu keiner Zeit intensiveres Tageslicht hereinzukommen als um halb sieben, sieben Uhr morgens. Ich Nachteule kann mich mit beiden genannten Gründen einfach nicht so ganz anfreunden – Licht, Licht, ich zerfalle!

Ich vergrabe beim Erscheinen des gleißenden Sonnenlichts also mein Gesicht in meinem „Poisti“, meinem mittlerweile auch schon halbwegs weitgereisten Dinkelpolster, da ich mich zur Schlafbrille trotz allem immer noch nicht durchringen kann (wie bei dicht schließenden Jalousien gilt: Ich würde ja gern lichtbegleitet und nicht etwa in selbst induzierter völliger Finsternis aufwachen, aber noch nicht jetzt), und hoffe auf das endlich eintretende Wunder der Anpassung meiner circadianen Rhythmik an den Tageslichtzyklus. Eine solche Umerziehung meines inneren Schlaf-Wach-Moduls zur „Lerche“ hat zwar im letzten Vierteljahrhundert trotz teils intensiver Versuche (jahrelang läutete der Wecker um exakt 5:25 Uhr) nicht geklappt, aber hey…

VLUU L310 W  / Samsung L310 W

Sinnspruch der Nachtaktiven: „Mach es wie die Sonnenu— how about no?!“ (Foto aus Breslau, Dez. 2014)

Funfact zur MEZ: Diese reicht sozusagen von Galizien bis Galizien, nämlich von der spanischen Autonomen Gemeinschaft bis zum Westteil des ehemaligen habsburgischen Kronlandes (der Ostteil mit der damaligen Hauptstadt Lemberg/Lwów/Lviv liegt heute bekanntlich in der Ukraine, die wiederum strategisch schlau in MEZ+1 liegt…).

Und: Fairerweise muss man sagen, dass nicht Polen schuld ist, dass es dermaßen „im Osten“ der MEZ liegt – sieht man die Meridiane an, die die Zeitzonen „eigentlich“ voneinander trennen, dann liegt ungefähr alles westlich des Rheins in der Greenwich-Zone MEZ -1 und das spanische Galicia genau genommen sogar in MEZ -2. Ostmitteleuropa stellt demnach also eigentlich den Normalfall eines fröhlich genau richtig in seiner Zeitzone liegenden Landstriches dar, nur Frankreich und Spanien wollten um 1900 offenbar partout nicht in derselben Zeitzone wie Großbritannien (und Portugal?!) landen und haben sich also einer Zeitzone angeschlossen, für die sie eigentlich zu weit westlich liegen…

„Eulen“ in OME können sich also auf gut österreichisch „auffihaun“ und maximal ein bisschen auf die Sommerzeit hoffen, das war auch schon alles – Zeitzonenänderungen wird’s bei dieser meridianen Beweislage nicht spielen. Bis morgen um 5:39 Uhr also, du „vast miasma of incandescent plasma“ (Zitat John Finnemore’s Souvenir Programme 02×01)…!

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Kommentare
  1. […] Im Osten geht die Sonne auf… 21. März 2015 […]

  2. Ruhrpottmädchen sagt:

    Ich finde es sehr lustig, dass du das auch wahrnimmst-ich dachte immer, ich spinne, wenn ich einen „Jetlag“ zwischen Dortmund und Wien habe:) Dort ist der Unterschied derzeit bei knapp 40 Minuten angesiedelt. Im Sommer macht es mir nichts aus, aber im Winter finde ich es natürlich netter, wenn es tief im Westen doch viel länger hell draussen ist. In den ersten Monaten in Wien hat es mich auch total genervt, immer so früh durch die Sonne geweckt zu werden:)

  3. Juliane sagt:

    Ich hab mich selbst gewundert, dass ich den innerzeitzonlichen Jetlag hier so wahrnehme, ist der Unterschied zwischen Wien und Krakau doch nur vier Minuten mehr als der zwischen OÖ und Wien, den ich normalerweise nicht bewusst wahrnehme. Finde aber generell gesprochen den Jetlag innerhalb der Zeitzone gemeiner als die Verschiebung um eine volle Zeitzone (weiter als bis in die Greenwich-Time bin ich ja noch nicht gekommen ;)), weil die Sonne eben zur falschen Zeit aufgeht, wobei die Zeit an sich gleich bleibt… klingt jetzt etwas wirr, oder?
    Bei „tief im Westen“ höre ich ja immer gleich Grönemeyer… „wo die Sonne verstaubt“ trifft auf das smog-geschädigte Krakau ganz ohne Westlage leider auch zu. XD

  4. Petra sagt:

    Hier in Chile ist es noch eigenartiger: Die ändern ihre Sommer- und Winterzeiten nämlich ständig. Eigentlich sollte seit Wochen schon Winterzeit sein, hat man auch ursprünglich so beschlossen, aber letztes Jahr einfach wieder abgeschafft. (Höchst verwirrend, wenn man keine analoge Uhr besitzt, sich auf die Internetzeit via Handy und Laptop verlässt und deshalb eine Stunde zu spät an der Uni ist) Deshalb sind bald fünf Stunden Zeitunterschied zu Österreich. Und keiner weiß, ob und wann die Uhren wieder verstellt werden. 😉

  5. Juliane sagt:

    Tja, das enttarnt die 15 Minuten zwischen Wien und Krakau natürlich als Luxusproblem… 😉
    Übrigens herzlich willkommen als Kommentarin! 🙂

  6. Ruhrpottmädchen sagt:

    Haha, die Grönemeyer-Anspielung war natürlich auch beabsichtigt;) Und im Pott gibts glaube ich seit 30 Jahren keinen Smog mehr, aber der Mythos lebt und die Klischees sterben offenbar niemals aus-ich werde ja aufgrund meiner Herkunft immer bedauert…Lächerlich:)

  7. Juliane sagt:

    Mir hat Grönemeyers „Bochum“ lustigerweise u.a. deswegen immer gefallen, weil ich so manche Textzeile irgendwie mit Linz assoziiere… zwar nicht so tief im Westen, aber ansonsten mit Voest & Co. mit das Industriellste was Ö zu bieten hat. Und eben auch seit Jahren im Kampf gegen die „Verstaubt“-Klischees… ^^

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