Um wenig Geld durch die Krakauer Welt

Veröffentlicht: 22. März 2015 in Allgemein
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Man kann in Krakau so vieles besichtigen, dass anfangs die Auswahl gar nicht so leicht fällt. Eine Option, wenn man ohnehin mit eher knappem Budget ausgestattet ist, ist natürlich, den günstigen Angeboten zu folgen. Ein solches stellen die Free Walking Tours (in anderen Städten mitunter auch: Free City Tours) dar – nach dem Prinzip „(Turn up and) pay as you wish“ folgt man einem Tourguide vom Rynek (Marktplatz) weg auf einer von mehreren Routen und bezahlt diesem am Ende soviel, wie einem die Tour wert war (bzw. man geben kann). Die Touren gibt es auf Englisch und Spanisch (vielleicht mal noch eine Option, als lustige Aktion zwischendurch mein spanisches Hörverständnis zu trainieren, anhand von Dingen, die ich dann schon – halbwegs – weiß…), einmal pro Woche gibt es auch eine Spezialtour auf Polnisch (diese besuchen und v.a. verstehen zu können bin ich nach wie vor weit entfernt…).

Gemeinsam mit meiner lieben „Kurzzeit-Kollegin“ V. (V. ist in diesem Fall die Abkürzung für ihren Namen, keine dynastische Zählung ;)) habe ich mir (bisher) zwei der Free Walking Tours gegeben – „Foods of Kraków“ (wo man sich im Verlauf von etwa zweieinhalb Stunden durch allerlei krakau- und allgemein polenspezifische Speisen kostet und dabei auch Krakau auf teils weniger ausgetrampelten Pfaden durchquert, wobei man für das Durchkosten an sich nicht mehr als ca. 15 Zloty bezahlt, also nicht einmal 4 Euro), was eine recht gemütliche Runde von 12 Teilnehmer_innen plus Guide darstellte, sowie das wesentlich stärker nachgefragte „Jewish Kraków“ (mit manchen bekannten, aber auch vielen für mich neuen Informationen sowohl allgemeiner als auch spezifischer Art).

Twinsies: Die alte Synagoge in Krakau (Stara Synagoga, Modell des ersten Baus rechts) wurde ursprünglich nach dem Vorbild der Altneuschul (Staronova Synagoga) in Prag errichtet (Foto vom Jänner 2012 links).

Twinsies: Die alte Synagoge in Krakau (Stara Synagoga, Modell des ersten Baus rechts) wurde ursprünglich nach dem Vorbild der Altneuschul in Prag (Staronova Synagoga) errichtet (Foto vom Jänner 2012 links).

Bei beiden Touren hatten wir einen kompetenten und witzigen Guide, der wirklich das Maximum aus seiner Performance herausholte (obwohl man beim zweiten Mal dann schon ein bisschen merkt, wie wohlüberlegt-eintrainiert diese Routine ist, aber das erscheint mir nur ganz natürlich – man kann eine Stadttour nicht jedes Mal neu improvisieren und sollte es wahrscheinlich auch nicht, weil man dann höchstens Sachen an der passenden Stelle einzubauen vergisst).

Weiters bietet dieselbe Organisation auch „Paid (Walking) Tours“ mit von vornherein festgesetztem Preis an, etwa eine Führung durch das Museum über die NS-Okkupation, das in der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler eingerichtet wurde. Angesichts der Weitläufigkeit und Größe dieser Ausstellung ist eine Führung, die auf die wichtigsten Punkte und Ausstellungsgegenstände hinweist, gar keine so blöde Option (und für Leute aus „Euroland“ immer noch gut leistbar) – man kann bei besonderem Interesse an bestimmten Teilen der Ausstellung ja nochmal wiederkommen, etwa an einem Montag, wo das Museum in der Schindlerfabrik freien Eintritt bietet (allerdings mit Zählkarten, daher ist Schnellsein die Devise).

Die Schindlerfabrik gehört, so wie diverse andere Ausstellungen und/oder historische Stätten, zum Muzeum Historyczne Miasta Krakowa (Historisches Museum der Stadt Krakau, aber das dachtet ihr euch schon fast), und als freudige Überraschung gibt es eben bei (fast) jeder dieser Ausstellungen einen Wochentag, an dem der Eintritt frei ist. So etwa immer dienstags bei Rynek podziemny („Rynek Underground“), wo man sich unter dem Marktplatz alte Bebauungsschichten ansehen und jede Menge Informationen über das mittelalterliche und frühneuzeitliche Leben in Krakau aufsaugen kann (irgendwann schwimmt einem aber, wie in vielen umfangreichen Museen, das Hirn, oder man hat einfach genug von den vielen fancy Touchscreens – auch wenn diese natürlich, im Gegensatz zu gedruckter Beschriftung, den Vorteil haben, die Informationen in mehreren Sprachen ausführlich darstellen zu können). Persönliches Highlight: Animierte Portraits polnischer Herrscher_innen… 🙂

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Ich habe schon im gestrigen Beitrag Galizien erwähnt, und wenn dieser Erinnerungs- (und teils offenbar Sehnsuchts-)Ort bei mir gegenwärtig etwas präsenter ist, dann liegt das möglicherweise auch an der Ausstellung „Mythos Galizien“ (Mit Galicji), die am 8. März im Międzynarodowe Centrum Kultury/International Cultural Centre zu Ende gegangen ist – und übrigens am 26. März im Wien Museum neu eröffnet wird. Dank „Happy Hour“ (heißt wirklich so, spielt sich aber zwischen 10 und 11 Uhr vormittags an Dienstagen und Mittwochen ab) konnte ich diese Ausstellung um exakt einen Zloty besuchen. Auch nicht schlecht. Und vielleicht sehe ich mir ja im Sommer noch an, was in Wien daraus gemacht wurde…

Ohne Galizien-, aber mit Wienbezug: Elektrobus der Wiener Linien auf Besuch/Promotour (?!) in Krakau.

Ohne Galizien-, aber mit Wienbezug: Elektrobus der Wiener Linien auf Besuch/Promotour (?!) in Krakau.

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Kommentare
  1. derHase1 sagt:

    Also bei der „Ich esse mich durch Krakau“-Tour wäre ich auch gleich dabei! Überhaupt wo ich jetzt, kurz vor drei, heute noch nichts Essbares erwischt habe! 🙂 Die animierten Portraits polnischer HerrscherInnen finde ich ebenfalls sehr originell.

  2. Ruhrpottmädchen sagt:

    Ich war kurzzeitig wegen der Überschrift irritiert-das ist tatsächlich eine Präposition, die mich als Piefkinesin immer wieder verwirrt:)
    Beide Touren hören sich sehr interessant an-ich wär sofort dabei:) Eigentlich möchte ich auch seit Jahren mal 1 bis 2 derartige Spaziergänge durch Wien machen, irgendwie macht man es dann aber doch nie:(
    Generell sind die Eintrittspreise aber wohl sehr viel geringer als in Österreich oder gar England, oder?

  3. Juliane sagt:

    @ Hase: Oh, zu spät gelesen, hätte dir sonst zumindest ein paar Nudeln faxen können… Können gerne wenn du kommst (temporales „wenn“, nicht durch „falls“ ersetzbar! ;)) daran teilnehmen oder unsere eigene Foodtour gestalten. Letzteres wohl sowieso. ^^

    @ Ruhrpottmädchen: Guter Hinweis, ich merk sowas ja oft gar nicht. Meine Studis starren mich teilweise eh an wie ein Ufo, dann weiß ich immer, jetzt hab ich wohl wieder einen ganz groben Austriazismus von mir gegeben. Bei „Es geht sich aus“ steigt dann sogar meine süddeutsche Kollegin aus… dabei beste Phrase ever. ^^
    Auch wenn du kommst (ebenfalls temporales „wenn“…! ;)) stehen sowohl die offiziellen als auch die juliane-geführten inoffiziellen Touren offen. 🙂 Falls du dich in Wien für die sog. „Frauenspaziergänge“ interessierst – ich krieg da den Newsletter von der Veranstalterin, seit ich einmal dabei war, kann ich dir gern weiterleiten, wenn nächstes Mal was kommt.
    Bei den Eintritten ist man an „normalen“ Tagen in den meisten Museen so zwischen 9 und 16 Zloty (Studierende) dabei, also ca. 2,25 bis 4 Euro. Wobei ich gerade London besichtigungsmäßig im Durchschnitt auch leistbar gefunden habe (wenn man generell einfach für die Dauer des Aufenthaltes ausblendet, dass der Pfundwechselkurs nicht 1:1 ist ;)), weil man in die National Gallery, British Library Ausstellungen, Greenwich Maritime Museum u.a. ja gegen eine freiwillige Spende reinkommt, da lässt sich der Fast-20-Pfund-Eintritt in den Tower dann auch irgendwie schlucken. Nur beim Bezahlen dafür, dass man auf dem offiziell ausgeschilderten Teil des Null-Meridians stehen darf, bin ich dann ausgestiegen – hallo, der doofe Meridian ist außerhalb der Mauer genauso vorhanden! ^^

  4. Ruhrpottmädchen sagt:

    Oh Gott-ich hab das auch überhaupt nicht als Kritik gemeint, ich merke daran nur, dass mir auch nach vielen Jahren hier einige grammatische Unterschiede fremd bleiben, während man andere u.a. schon selbst übernommen hat (z.B. Partizip, Reflexivpronomen, Fugen-S etc.) Ich find das eher interessant, warum man manche Sachen übernimmt und man sich bei anderen Dingen dagegen sperrt-und zwar völlig unbewusst:)
    Die Formulierung „Es geht sich aus“ habe ich auch übernommen, denn das trifft es einfach auf den Punkt!
    Das mit dem Newsletter wäre nett-dann hab ich endlich keine Ausrede mehr:)
    Gibt es in Polen genau wie in Österreich eine Altersbegrenzung für Studentenermäßigungen (25/27 Jahre)? Da lieg ich ja jeweils ein paar Jährchen drüber (hüstel), aber in Wien komm ich ja manchmal auch noch so durch-Babyface sei Dank;)
    Ja, in London ist das zwar nett mit den „Pay as you wish“-Eintritten, aber diese ganzen National Heritage Eintritte (Dover Castle z.B.) sind schon extrem teuer im Vergleich.

  5. Juliane sagt:

    Keine Sorge, hab’s nicht als Kritik begriffen, sondern finde es auch einfach immer interessant (und teilweise lustig) wie sehr die gemeinsame Sprache manchmal frei nach dem berühmten Fake-Karl-Kraus-Zitat auch trennen kann. 😉 Und bei den Studis hier ist es nur zu verständlich, dass ich für sie teilweise seltsam klingen muss, weil die „natürlich“ (<- hier Plurizentrikverteidigung einfügen ^^) hauptsächlich mit deutschem Deutsch konfrontiert werden. "So ein Topfen!" *ggg*

    Nochmal zu London/England: Würd ich jetzt wieder hinfahren und mir andere Sachen anschauen wollen, würde ich wahrscheinlich dann sehr wohl und erst recht aufstöhnen (obwohl ich in die Nat. Gallery garantiert wieder rennen würde – dortige gotische Kunst FTW). Für ein paar Tage/zum Einstieg ist es natürlich einfacher, mit den preisgünstigen Attraktionen das Auslangen zu finden… 😉

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