…and the yonge sonne / hath in the ram his halfe cours yronne…

Veröffentlicht: 11. April 2015 in Allgemein
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Vor einer Woche hätte ich im winterlichen Zakopane noch eher T.S. Eliot zum April zitieren können, „April is the cruellest month“. Mittlerweile ist allerdings, jedenfalls in Krakau, tatsächlich der Frühling ausgebrochen, und auch wenn die „shouers soote“ bislang noch ausgeblieben sind (angeblich soll sich das am Mittwoch ändern), so „longen folk to goon on pilgrimages“, zumindest am Wochenende, und wenn schon nicht bis Canterbury, dann in die Planty, ans Weichselufer oder zur nächsten Eisdiele. So auch ich, wobei neben einigen vor Frühling strotzenden Fotos auch folgendes Poem im Stile von Alf Poiers „Good Old Europe is Dying“ entstanden ist (ich halte Alf Poier nicht aus, aber der Vierzeiler aus diesem Lied hat sich dermaßen in mein Hirn eingebrannt, dass ich ihn immer wieder abwandle, wenn ich irgendwo sitze und auf etwas warte o.ä.):

Ich sitze ganz alleine in den Planty
und schau den Radlfahrern hinterher;
zwei ält’re Leute ziehen Absperrungen
und keiner hält sich daran bittesehr.

(kursiv = Versbetonung schlägt Wortbetonung, während beide zusammen ein gewisser Schlag ins Gesicht des Metrums sind)

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Hinter der Fotografin und daher nicht im Bild: rotweißes Absperrband.

Wozu die rotweißen Absperrbänder wirklich gut sein sollten – ich hatte keine Ahnung, als ich dort saß und meine Gedanken darüber zu Papier brachte. Die beiden (bzw. wie sich später herausstellte: drei) Leutchen um die 60 trugen zwar je eine gelbe Sicherheitsweste mit der Aufschrift „Ochrona“ (Security), saßen nach dem Anbringen der Absperrbänder aber wieder ganz gemütlich herum und ermahnten auch nicht etwa die Passant_innen, die die Absperrung fast allesamt großzügig ignorierten. Irgendwo hatte ich im Vorbeigehen irgendwas mit pamię… (Erinnerung/erinnern) gelesen – also vielleicht ein Kunst-/Gedenkprojekt?

Nach etwa zehn Minuten installierten die beiden Herren und die Dame „Ochrona“ die nächsten Absperrbänder an den nächsten drei ‚Querwegen‘ – allerdings diesmal so hoch oder so tief, dass man ganz, ganz leicht darunter durchgehen oder aber darübersteigen konnte – also noch ’sinnvoller‘ als Absperrung als die bisherigen Bänder… Wofür auch immer hier abgesperrt wurde, die möglichen Teilnehmer_innen und Zuschauer_innen würden sich wohl freiwillig an die Absperrungen halten. Oder doch ein Kunstprojekt? Ich fragte mich schon ernsthaft, ob ich es durch meine Anwesenheit im Park gerade quasi ins MOCAK (Krakauer Museum für moderne Kunst) schaffte.

Tja, hätte ich abgewartet, hätte ich vielleicht noch vor Ort erfahren, worum es sich tatsächlich handelte: Um einen fünf Kilometer langen Gedenklauf, Bieg Pamięci, mit Ziel an der Schindlerfabrik in Podgórze. Die feineren Details entgingen mir auch im Internet, da ich keine Beschreibung auf Englisch finden konnte, aber immerhin weiß ich jetzt, dass ich zwar vielleicht etwas versäumt habe, aber doch nicht das Event des Jahres, da sich bei mir das Interesse, anderen Leuten beim Laufen zuzusehen, eher in Grenzen hält. Kudos trotzdem an diejenigen, die heute gelaufen sind, denn soweit hätte es bei mir, auch wenn ich früher von der Veranstaltung gewusst hätte, ja sicher auch nicht gereicht: Aktivlaufen noch unattraktiver als Passivlaufen… 😉

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