Varsovie encore

Veröffentlicht: 10. Mai 2015 in Allgemein
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In meinem derzeitigen, leicht verkühlungsbedingten Stupor (ja, so blöd muss man mal sein, sich im Mai zu verkühlen!) habe ich festgestellt, dass noch (mindestens?) ein Warschau-Blogpost auf das Geschriebenwerden wartet – in dem es u.a. um vorübergehend in Schutt und Asche gelegte Schlösser in Polen geht. And here it comes…

Le château royal

DSC_0263

Das Warschauer Königsschloss (Zamek Królewski w Warszawie) war, wie der größte Teil der Warschauer Innenstadt, gegen Ende des Zweiten Weltkrieges von den Nazis systematisch zerstört worden. Anders als der Rest der Alstadt wurde es erst in den 1970er- und 1980er-Jahren wieder aufgebaut – so lange verwehrten sich die kommunistischen Machthaber_innen gegen den Wiederaufbau dieses „klassenfeindlichen“, weil monarchistisch konnotierten, Gebäudes. Ähnlich wie bei anderen Gelegenheiten ließen sich die Pol_innen aber ihre Liebe zu Kirche und Königtum (letzteres vor allem, sofern historisch verklärt) nicht nehmen und stellten das fünfeckige Gebäude unter entsprechenden Mühen wieder dorthin, wo es immer gestanden hatte – mit einem durch den Wiederaufbau ermöglichten Bonusfeature:

Gotik / Rokoko

Gotik / Rokoko

Rokoko / Renaissance

Rokoko / Renaissance

Die Hofinnenseiten, im Original über die Jahrhunderte gewachsen und im Stil angepasst, wurden in drei unterschiedlichen Stilen (Gotik – mit Renaissance-Aufbau, da das gotische Gebäude nie so hoch gewesen war -, Renaissance und Rokoko) wiederhergestellt, sodass man von außen die elegante und einheitliche Renaissance-Fassade sieht, im Schlosshof aber sozusagen die Baugeschichte im Zeitraffer sieht – Museumsfunktion quasi inkludiert. Einen guten Eindruck bekommt man bei diesem Schlosshofpanorama des Bloggers Stefan Maier – aber Achtung, nicht schwindlig werden! 🙂

Zum Königsschloss wurde das Teil in Warschau durch den schon einmal kurz erwähnten Sigismund III. Wasa, der die Residenz 1596 von Krakau nach Warschau verlegte (was ihm die Krakauer_innen bis heute nicht verziehen haben) – wofür er wohl eine Mischung aus verschiedenen Gründen hatte: Zum einen liegt Warschau fast 300 km näher an seinem heimatlichen Schweden, auf dessen Thron sich Sigismund (eher unberechtigte) Hoffnungen machte; zum anderen liegt Warschau innerhalb der Grenzen des Polnisch-Litauischen Großreichs des 16. Jahrhunderts um einiges mittiger als dies im heutigen Polen der Fall ist (sowie definitiv um einiges mittiger als Krakau, damals oder heute); und zum dritten war dem intelligenten Knaben gelungen, im Rahmen von alchemistischen Experimenten einen Gutteil des Wawel-Schlosses in die Luft zu jagen. Was zwar „zeitnahe“ wieder aufgebaut wurde, wie das Bild unten beweist (wenn auch ohne die wunderschönen Wandmalereien, die auf der rechten – unzerstört gebliebenen – Seite zu erkennen sind), aber bei Königs wohnt man halt nicht gerne auf einer Baustelle.

Nicht Warschau, sondern Wawel: Renaissance-Innenhof.

Nicht Warschau, sondern Wawel: Renaissance-Innenhof.

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Winnie l’ourson

Nicht nur Zakopane, auch Warschau liebt ganz offensichtlich den Puchatek:

Matroschka in Bärenform. Fragt mich nicht, wie die weiteren Ebenen aussehen (kleinere Winnies ohne Ohren? Missgestalteter Tigger und mehr oder minder eiförmiges Ferkel?)

Matroschka in Bärenform. Fragt mich nicht, wie die weiteren Ebenen aussehen (kleinere Winnies ohne Ohren? Missgestalteter Tigger und mehr oder minder eiförmiges Ferkel?).

Drei in Polen häufig anzutreffende Spezies: Ein Puuh-Bär grüßt Tourist_innen und einen Zug von Abtreibungsgegner_innen.

Drei in Polen häufig anzutreffende Spezies auf einem seltenen gemeinsamen Bild: Ein Puuh-Bär grüßt Tourist_innen (Vordergrund) und einen Zug von Abtreibungsgegner_innen (Hintergrund).

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Et tout le rest

„Nimm ein Pakiet für mein Sekret“ – ich könnte mich schon fast bei der Wiener MA48 als Hundstrümmerlpoetin bewerben, oder?

Nein, natürlich wird jetzt nicht der ganze Rest Warschaus hier in den letzten Absatz gezwängt; das wäre nicht nur stark verwegen, sondern schon aus dem Grund unmöglich, dass ich im April ja nur einen geradezu lächerlich kleinen (wenn auch hoffentlich für 48 Stunden angemessenen) Ausschnitt der Hauptstadt Polens gesehen habe. Was jedenfalls bleibt, ist der Eindruck der schieren Größe an verstädtertem Gebiet (auch Krakau ist nicht klein, aber man ist viel schneller gefühlt „am Land draußen“, in Villensiedlungen, oder aber in weitgehend bürogebäudelosen Arbeiter_innenvororten) und die nicht unbedingt durch die Gebäude selbst, aber durch den Wissenskontext enstandene Ehrfurcht vor dem gewaltigen Wiederaufbau nach 1945 und vor den beiden verzweifelten Aufständen (Warschauer Ghettoaufstand; Warschauer Aufstand) davor.

Abschließende Worte zum ewigen Streit Warschau vs. Krakau: Why not both?!

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