Mit ‘Europa’ getaggte Beiträge

German people, y’know

Veröffentlicht: 23. Juni 2015 in Allgemein
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Eine Montage.

Die känn’n das unter Umständen nich einordnen.
Keine Vorstellung davon welche Stadt.
Wohin? – ’ch weeß es ooch nich.
Wir sind ja drüben eingestiegen.

Lass uns nochmal fragen.
Müssen wir hier raus, ne?
Nee nee. Jajajajaja.
Echt? – Ja.
Geil!
Ach so.

Es geht ja nicht an, wenn die was von euch wollen…
aufs eigenständige Denken vorzubereiten.
Mann, isch kenne disch, deshalb ist das schon sehr zweifelhaft.
Fahr ich ja auch so direkt innie Weixl da…

Lass uns nochmal fragen.
Müssen wir hier raus, ne?
Nee nee. Jajajajaja.
Echt? – Ja.
Geil!
Ach so.

Eins, zwei, drei, vier. Kaiser is a do.
Polnische Frauen fanden ihn toll.
Wenn wea zurückkomm’, is er eh wahrscheinlich auch da.
Da scheiß ich dann drauf.

Seit wann jab’s’enn Polen üwahaupt?

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VLUU L310 W  / Samsung L310 W

Das gesamte Gedicht (inkl. Titel) besteht aus Gesprächsfetzen, die ich zwischen dem 11.04. und dem 31.05. in Krakau zufällig mitgehört habe. Manche Zeilen sind aus ursprünglich nicht zusammengehörigen Aussagen verschiedener Personen montiert, doch wurden keine Konjunktionen usw. ergänzt, weswegen es manchmal vielleicht ein bisschen holpert. Spätere Nachschliffe nicht ausgeschlossen.

Lingua franca

Veröffentlicht: 16. April 2015 in Allgemein
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Mit dem Text unverbundenes Krakau-Foto (Blick vom Kościuszko-Hügel).

Mit dem Text unverbundenes Krakau-Foto (Blick vom Kościuszko-Hügel).

 

Die (nicht überall ganz so „franke“) Sprache Englisch ist, wie ich an anderer Stelle schon kurz angemerkt habe, gegenwärtig – und wohl noch für ein paar Jährchen oder Jahrzehntchen – „die“ Fremdsprache schlechthin. Ich mag Englisch, sowohl als Sprache an sich, als auch weil es praktisch ist, wenn man unterwegs ist (oder auch, so wie ich gerade, länger an einem Ort ist, dessen Sprache man nicht oder nicht wirklich beherrscht).

Gleichzeitig hat Englisch, gerade wegen seiner (teilweise eben: vermeintlichen) Universalität, auch ein  Potential zum Hemmschuh. Wie man nicht nur beim DaF/DaZ-Studium immer wieder als durchaus plausible These hören, sondern nicht zuletzt an sich selbst beobachten kann, sinkt die Bereitschaft oder vielleicht viel mehr die Dringlichkeit, eine weitere Fremdsprache (auf hohem Niveau) zu lernen, wenn man erst einmal die „ohnehin viel weiter verbreitete“ englische Sprache halbwegs gut gemeistert hat. Gerade wenn man sich in den jungen, urbanen, bildungsbürgerlichen Schichten verschiedener Länder bewegt, ist es meist viel einfacher und praktischer ins Englische zu verfallen, als sich mit der üblicherweise viel schlechter beherrschten Sprache des oder der jeweils anderen zu „plagen“. Doch immerhin gibt es im privaten oder semi-privaten Rahmen so etwas wie eine Aushandlungsmöglichkeit – die Möglichkeit, zu sagen: Ich übe jetzt gerade „deine“ Sprache, „please bear with me“ and unterstütze mich dabei, nicht den Weg übers Englische gehen zu müssen.

In sozusagen öffentlichen Situationen, in Geschäften und Restaurants, kann es da schon schwieriger sein – aus manchmal wohl falsch verstandener Hilfsbereitschaft wechselt man mitunter gegenüber Kund_innen, die die Umgebungssprache augenscheinlich nur mühsam und stückweise herausbringen, ins Englische. Das kann einerseits zu einem gewissen Frust führen (z.B.: meine Mitbewohnerin No. 1 wollte in ihrem letzten Monat hier, in dem sie einen Polnisch-Intensivkurs besuchte, unbedingt alles auf Polnisch bestellen, wurde aber oft genug nach dem ersten Satz sofort auf Englisch weiter bedient), andererseits erst recht die Kommunikation ins Stocken bringen, wenn etwa das Gegenüber Englisch gar nicht oder jedenfalls schlechter beherrscht als die aktuelle Umgebungssprache.

Was mir insbesondere auffällt, ist, dass die Momente des metasprachlichen Aushandelns (zunehmend?) fehlen: Englisch wird – gerade von der erwähnten jung-urbanen Schicht – oft mehr oder minder vorausgesetzt, und gleichzeitig wird vorausgesetzt, dass man sowieso keine andere (gemeinsame) Sprache finden würde, die beide Gesprächspartner_innen besser beherrschen als Englisch. Ich nehme mich da selbst nicht aus, auch ich frage im nicht-deutschsprachigen Ausland (etwa an Museumskassen, oder – wie mir im Nachhinein aufgefallen ist – bei meiner Quartiergeberin in Zakopane) eigentlich nie nach Deutschkenntnissen meiner Gegenüber und bin teilweise so perplex bzw. so stark auf Englisch eingestellt, dass ich nicht einmal ordentlich reagieren kann, wenn dann jemand, etwa nach Ansicht meines Studierendenausweises oder Reisepasses, tatsächlich seine oder ihre – teils beachtlichen –  Deutschreserven zusammenkratzt (so etwa in Oberitalien in zwei erinnerungswürdigen Situationen passiert).

Mein persönliches Gefühl ist allerdings sehr oft, dass das aktive „Einfordern“ von Deutsch gerade in den Nachbarländern oder auch in typischen Urlaubsdestinationen Deutschsprachiger anmaßend und sprachkolonialistisch wirken könnte, weshalb ich es dann eben lieber unterlasse. Aus eigener Arbeitserfahrung kann ich allerdings auch sagen: Es hilft wohl allen Beteiligten, wenn die Mitarbeiter_innen an international besuchten Kassen/Rezeptionen/Messeständen Anstecker o.ä. tragen, die schnell und unbürokratisch zeigen, welche Sprachen sie sprechen, auch wenn man sich damit am Anfang möglicherweise etwas affig vorkommt. Sonst geht’s einem womöglich noch so, wie einer Arbeitskollegin einmal, die mit einer Kundin zwei Sprachwechsel (von Englisch zu Deutsch und von Deutsch zu Polnisch) brauchte, um bei ihrer gemeinsamen Erstsprache anzukommen… 😉

 

 

Im Osten geht die Sonne auf…

Veröffentlicht: 21. März 2015 in Allgemein
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…und wie auch Steffen Möller (dessen Buch „Viva Polonia“ ich grundsätzlich empfehle, auch wenn ich manche Abschnitte nicht so ganz gelungen bzw. ohne rechten Witz übertrieben finde) schon ganz richtig festgestellt hat, liegt Polen besonders in einer Hinsicht im Osten: Im Osten der mitteleuropäischen Zeitzone nämlich. Zwar läge Krakau gar nicht mehr soviel weiter östlich als Wien (Tante Gugl sagt, die Sonnenaufgangszeit unterscheidet sich derzeit um genau 15 Minuten), aber im Verbund mit weiteren Fakten scheint diese Viertelstunde Sonnenlichtverschiebung gerade noch das Tüpfelchen auf dem i zu sein.

Denn es ist leider zu einer Zeit, in der ich (tagesplanerische Möglichkeit vorausgesetzt) noch gern schlafen würde (und aufgrund meiner üblichen Einschlafzeiten meistens auch noch schlafen sollte), gefühlt bereits mittagshell – einerseits sicher deswegen, weil die Vorhänge in meinem Zimmer die Bezeichnung hauptsächlich der Form nach verdient haben, und deutlich weniger, weil sie Licht abschirmen würden, und andererseits scheint bei meinem fast nordseitigen Fenster tatsächlich zu keiner Zeit intensiveres Tageslicht hereinzukommen als um halb sieben, sieben Uhr morgens. Ich Nachteule kann mich mit beiden genannten Gründen einfach nicht so ganz anfreunden – Licht, Licht, ich zerfalle!

Ich vergrabe beim Erscheinen des gleißenden Sonnenlichts also mein Gesicht in meinem „Poisti“, meinem mittlerweile auch schon halbwegs weitgereisten Dinkelpolster, da ich mich zur Schlafbrille trotz allem immer noch nicht durchringen kann (wie bei dicht schließenden Jalousien gilt: Ich würde ja gern lichtbegleitet und nicht etwa in selbst induzierter völliger Finsternis aufwachen, aber noch nicht jetzt), und hoffe auf das endlich eintretende Wunder der Anpassung meiner circadianen Rhythmik an den Tageslichtzyklus. Eine solche Umerziehung meines inneren Schlaf-Wach-Moduls zur „Lerche“ hat zwar im letzten Vierteljahrhundert trotz teils intensiver Versuche (jahrelang läutete der Wecker um exakt 5:25 Uhr) nicht geklappt, aber hey…

VLUU L310 W  / Samsung L310 W

Sinnspruch der Nachtaktiven: „Mach es wie die Sonnenu— how about no?!“ (Foto aus Breslau, Dez. 2014)

Funfact zur MEZ: Diese reicht sozusagen von Galizien bis Galizien, nämlich von der spanischen Autonomen Gemeinschaft bis zum Westteil des ehemaligen habsburgischen Kronlandes (der Ostteil mit der damaligen Hauptstadt Lemberg/Lwów/Lviv liegt heute bekanntlich in der Ukraine, die wiederum strategisch schlau in MEZ+1 liegt…).

Und: Fairerweise muss man sagen, dass nicht Polen schuld ist, dass es dermaßen „im Osten“ der MEZ liegt – sieht man die Meridiane an, die die Zeitzonen „eigentlich“ voneinander trennen, dann liegt ungefähr alles westlich des Rheins in der Greenwich-Zone MEZ -1 und das spanische Galicia genau genommen sogar in MEZ -2. Ostmitteleuropa stellt demnach also eigentlich den Normalfall eines fröhlich genau richtig in seiner Zeitzone liegenden Landstriches dar, nur Frankreich und Spanien wollten um 1900 offenbar partout nicht in derselben Zeitzone wie Großbritannien (und Portugal?!) landen und haben sich also einer Zeitzone angeschlossen, für die sie eigentlich zu weit westlich liegen…

„Eulen“ in OME können sich also auf gut österreichisch „auffihaun“ und maximal ein bisschen auf die Sommerzeit hoffen, das war auch schon alles – Zeitzonenänderungen wird’s bei dieser meridianen Beweislage nicht spielen. Bis morgen um 5:39 Uhr also, du „vast miasma of incandescent plasma“ (Zitat John Finnemore’s Souvenir Programme 02×01)…!