Mit ‘Lernen’ getaggte Beiträge

Hier kommt er also: Der versprochene zweite Beitrag zum Festiwal Kultury Żydowskiej / Jewish Culture Festival, das in seiner 25. Auflage von 25.06. bis 05.07. in Kazimierz stattgefunden hat. Wie sich mittlerweile gezeigt hat, wird dieser Beitrag das Mittelstück einer Trilogie werden: In Teil 3 wird es um die Künste – Film, Musik und Tanz – gehen, jetzt aber erstmal um…

Einsichten und Aussichten: Ausstellungen und Meetings

Logo des JCC (Jewish Community Center) in der ul. Miodowa

Anstecker mit Logo des JCC (Jewish Community Center).

Auch wenn es chronologisch nicht ganz stimmt, beginne ich vielleicht am besten mit der Erwähnung einer Tour, die vom Jewish Community Center (JCC) angeboten wurde – im Übrigen gratis, wenn auch gegen Voranmeldung. Anna Maria Baryła, geprüfte Stadtführerin für Krakau und Absolventin der Geschichte und der Judaistik, führte am 30.06. um 12 Uhr mittags etwa 12 Interessierte eineinhalb Stunden lang auf einer streckenmäßig kurzen, aber inhaltlich dichten Tour durch ein „Kazimierz Beyond the Kitsch“. Die Tour hielt, was ihr Titel versprach und eröffnete auch für mich, die ich doch schon vier Monate lang und von verschiedenen ‚Expert_innen’ 🙂 begleitet immer wieder durch den Stadtteil getrabt war, noch einige neue Einblicke – über Berek Joselewicz etwa, zum Standort von Mordechaj Gebirtigs Wohnhaus (auch wenn man bislang noch nicht weiß, in welcher Wohnung er mit seiner Familie gewohnt hat), oder über die Disko in einem ehemaligen Gebetshaus und die entsprechende Kontroverse darum (Ecke Meiselsa/Bożego Ciała).

Kitsch lass nach: Das

Kitsch lass nach: Das „Ariel“ – als Beispiel unter mehreren – auf der ul. Szeroka.

Gleichzeitig boten die vielfältigen Stationen der Tour für mich sehr oft thematische Anknüpfungspunkte in den folgenden Tagen – beispielsweise, was die Frage von (vermeintlich?) antisemitischen Graffiti betrifft. Hierzu gab es am 03.07. um 15 Uhr ein „Meeting“ ebenfalls im JCC unter dem Titel „Deconstructing Symbols: Graffiti and its Broader Implications“. Annamaria Orla-Bukowska, Wojtek Wilczyk, Bogna Wilczynksa, Stanislav Lukáč und Michał Strzyżowski berichteten unter der Leitung von Dara Bramson über ihre Forschungs- bzw. Arbeitsschwerpunkte im Hinblick auf Graffiti, die in verschiedenen Städten Polens v.a. von Fans bestimmter Fußballvereine angebracht werden und antisemitische (oder jedenfalls als antisemitisch deutbare) Symbole enthalten – oder umgekehrt, vom jeweils als „jüdisch“ gedeuteten Verein, mitunter Vereinnahmungen im Sinn der fragwürdigeren Spielart des Philosemitismus (d.h. eine positive Selbstidentifikation mit gerade dadurch weiter tradierten Stereotypen über Juden/Jüdinnen wie der Hakennase).

Das bekannteste Derby-Paar ist wohl dasjenige aus Krakau selbst, der „Heilige Krieg“ Cracovia vs. Wisła, was sich Kenner_innen der österreichischen Fußballgeschichte und –landschaft in etwa als eine Potenzierung (!) von Austria Wien vs. Rapid vorstellen können – übrigens in der genannten Reihenfolge, was die Implikationen betrifft: Cracovia gilt als „jüdisch“, Wisła-Fans verwenden daher gerne einen durchgestrichenen Davidsstern zur Selbstidentifikation, während sich Cracovia-Fans in neuerer Zeit schonmal als „auserwähltes Volk“ bezeichnen und ihr Stadium als „Heiliges Land“. Interessanterweise handelt es sich um einen, wie Wilczynska es bezeichnete, „anti-semitism without Jews“, von dem etwa Wisła-Fans in Interviews dann sagen, dass er nichts mit tatsächlichen Juden/Jüdinnen oder dem Staat Israel zu tun habe. Ironischerweise war auch der einzige jüdische Spieler seit langer Zeit ein vor einigen Jahren von Wisła (!) angeheuerter Legionär aus Israel.

Viele Fragezeichen und v.a. viele von Tourist_innen und Nicht-Fußballinteressierten missverstehbare Graffiti bleiben – doch auch hier besteht Hoffnung durch Aktionen wie „Zmaluj to!“ (Übermal das!), eine von jungen Freiwilligen des Jüdischen Kulturfestivals („the Machers“) getragene Initiative, die antisemitische Graffiti in Kazimierz und Podgórze übermalt, wie Michał Strzyżowski, einer dieser „Macher“, berichtete – inklusive Meldemöglichkeit im Internet und Nachvollziehbarkeit der Aktionen über Markierungen auf einem Google-Map-Ausschnitt. Allerdings bezieht sich die Subvention der dazu benötigten Mittel derzeit nur auf Graffiti in den genannten beiden Bezirken und mit antisemitischem Inhalt; für beispielsweise homophobe oder rassistische Schmierereien bleibt nur der Rechtsweg einer Anzeige wegen Vandalismus bei der Polizei bzw. Stadtwache (Straż Miejska) und mit der Hoffnung, dass die entsprechende Wand darauffolgend von der öffentlichen Hand übermalt wird.

Kurze Werbeeinschaltung für Leser_innen in Krakau: Eine ähnliche gestaltete Panel-Diskussion gibt es kommenden Sonntag, den 19.07., um 18 Uhr im immer empfehlenswerten Café Massolit. Hingehen, zuhören, mitreden. 🙂

Zum Vergleich mit dem oben präsentierten heutigen

Zum Vergleich mit dem oben präsentierten heutigen „Kitsch“: Szeroka-Straße Ende der 1950er-/Anfang der 1960er-Jahre (Postkarte mit einem Motiv von Eugeniusz Wilczyk).

Ebenfalls abseits des Kitsches bewegte sich die kleine, aber feine Foto-Ausstellung im „Bosak-Haus“ in der ul. Św. Sebastiana: In einer heute leerstehenden Wohnung wurden Fotos aus den späten 1950er- bzw. frühen 1960er-Jahren von Eugeniusz Wilczyk bzw. aus den späten 1970er-Jahren von Susanne Guzei-Taschner präsentiert, die den Unterschied von Kazimierz „damals“ und heute spürbar machen – bevor Kazimierz in den 1990er-Jahren zunehmend „hip“ und (nach und nach, teils kitschig-verklärend, teils aber auch im Alltäglichen) wieder (zum Teil) jüdisch wurde, war es ein heruntergekommener Arbeiterbezirk, dessen Bausubstanz wie viele Teile der Krakauer Altstadt von den kommunistischen Machthaber_innen nicht instand gehalten oder gar erneuert wurde, um den Willen der traditionell katholisch-bürgerlich gesinnten Krakauer_innen zu brechen. Einige wenige Beispiele (abgesehen von der oben abfotografierten Postkarte, die für die Ausstellung im Bosak-Haus aufgelegt wurde) der Werke von Wilczyk bzw. Guzei-Taschner finden sich auf der entsprechenden Unterseite der Festival-Homepage.

Diesen Blogeintrag abschließend möchte ich noch kurz auf eine aktuelle Ausstellung im MOCAK (Museum der Gegenwartskunst) in Podgórze und einen damit in Zusammenhang stehenden Vortrag verweisen: Die Ausstellung heißt „Poland – Israel – Germany: The Experience of Auschwitz“ und ist noch bis 30.09. zu besichtigen – mit teils sehr intelligenten Hinterfragungen des „KZ-Tourismus“, aber auch berührenden Arbeiten von Auschwitz-Überlebenden bzw. deren Nachfahren. Der Vortrag (am 01.07. um 18 Uhr) kam von der schon im ersten Beitrag über das Jüdische Kulturfestival erwähnten US-amerikanischen Journalistin, Autorin und Forscherin Ruth Ellen Gruber und beschäftigte sich unter dem Titel „Seeing, Believing, Being“ mit „Holocaust sites, Jewish heritage, Dark (and not-so-dark) Tourism“ – mit „Dark Tourism“ ist eben das oben Angedeutete gemeint: das Besichtigen von z.B. ehemaligen KZs, aber etwa auch von einstigen Stätten der Sklaverei, Schlachtfeldern oder Kerkern.

Die dazugehörigen Fragen wurden teils in den vergangenen Jahren medial intensiv diskutiert – und sind doch nicht objektiv lösbar: Von welchen Stätten ist ein Selfie akzeptabel, von welchen nicht? Ist es gut oder schlecht, wenn „memorials“ verschiedener Art sosehr mit dem umgebenden Stadtbild verschmelzen, dass sie Unbedarfte gar nicht mehr als Denkmale oder Gedenkstätten erkennen? Und schließlich auch die ewige Frage nach dem Erhalten alter Gebäude, beispielsweise von jahrzehntelang vor sich hin verfallenden Synagogen in Mittel- und Osteuropa: Soll man sie restaurieren, sie so wieder herstellen, wie sie waren – und wenn ja, wann ist dieses „wie sie waren“? Vor 100, vor 200 Jahren? Welchen (einstigen) Zustand stellt man wieder her, welche Zeitschichten gibt man damit womöglich endgültig preis? Oder soll man sie vielmehr konservieren, sie in ihrem jetzigen Zustand quasi einfrieren, also das, was noch dasteht, so erhalten, wie es noch dasteht – und dabei ganz bewusst die verschiedenen „Schichten der Geschichte“ sichtbar machen?

Mit diesen spannenden und be-denkens-werten Fragen schließe ich für heute und kündige nochmals den „bald“ folgenden dritten Teil an. So long und danke fürs Lesen!

Es folgt: ein hoffentlich eloquenter Versuch darüber, warum es mir – derzeit oder zunehmend – so schwerfällt, sinnvolle Kommunikation aufrechtzuerhalten.

VLUU L310 W  / Samsung L310 W

„[…] – ist es ein Zeichen, gehört es dazu, daß Zwischenmenschliche Kommunikation heute um jeden Preis betrieben wird und betrieben werden soll – ist diese Kommunikations-Sucht, diese Sprechsucht, nicht wie Rabattmarkensammeln, billiger haben wollen, – was haben die Kommunikationssüchtigen denn zu sagen?“ (Ja, ich zitiere – immer noch und immer wieder – Brinkmann; Rom, Blicke S. 277).

Was habe ich denn zu sagen? – Das ist beim Bloggen, wie ich auch schon aus meiner (gefühlt: sehr viel) früheren Blog-Erfahrung weiß, immer eine große Frage. Wobei mir der Blog gegenwärtig als eine private, mit eher kleinem Personenkreis (aktiv) geteilte Fingerübung genug Spaß macht, damit ich mir nicht allzu selbstkritisch immer nur diese Frage stelle. Etwas anders stellt sich die Situation dar, wenn es eben um die (bei Brinkmann ob absichtlich oder unabsichtlich kapitalisierte) „Zwischenmenschliche Kommunikation“ geht. Hierzu ein ungefähres Zitat eines hiesigen Studenten, nachdem sich eine Lehrende gewundert hatte, dass die Studierenden trotz der vielen technischen Möglichkeiten so wenig miteinander kommunizieren und sich oft gegenseitig nicht (bzw. nicht ordentlich/rechtzeitig) Bescheid geben:

„Vielleicht gerade deswegen, weil wir so viele Möglichkeiten haben.“

Ich bin momentan, leider, auch ein bisschen an diesem Punkt. Ich kann mich oft lange nicht aufraffen, auf elektronische Post zu antworten. Am ehesten gehen noch sehr konkrete, sachbezogene Dinge, aber ausführliche Mails mit Freund_innen (Berichte, Erlebnisse, Zustände, Nachfragen)?

„Es ist alles sehr kompliziert.“ (Fred Sinowatz)

Skype ist eine gewisse Überbrückungshilfe, aber auch dazu muss man a) im Vorhinein per Mail o.ä. kommunizierend ausmachen dass wann ja und b) beim Gespräch selbst vor dem Computer sitzen, der seiner Qualitäten als Verblödungs- oder vielmehr Zeitfressermaschine wegen oft schon ungern aufgedreht wird – eine der Grundlagen für die ganze Problematik, nehme ich an: Das Private ist nicht politisch, sondern geschäftlich, immerzu. Dasselbe Gerät, oft derselbe Kanal (Mailbox, Twitter, Facebook…), bringt sowohl „business“ als auch „pleasure“, und weil es technisch möglich ist, immer erreichbar zu sein, braucht man (teils wohl „nur“ vor sich selbst…) einen ausformulierbaren Grund, es nicht zu sein.

Gerade wenn man das Unisystem als Studentin gewohnt ist, es z.B. aus dem Litwi-Studium nur zu gut kennt, dass das, was man aus eigenem Antrieb liest, immer wieder fließend übergeht in Pflichtlektüre bzw. „Verwertbarkeit“ für ein Referat oder eine Seminararbeit, dass man – egal in welchem Studium – um mit dem Stoff zurande zu kommen auch am Wochenende an Unizeugs arbeitet, dass die Bereiche Uni und Freizeit aufgrund der speziellen Zeitstruktur eines Studiums sich laufend abwechseln, ohne dass es klar abgrenzbare Bereiche (Nacht, Wochenende) gibt, die immer nur der Freizeit gewidmet sind (während es klar abgrenzbare Bereiche gibt, die wegen Anwesenheitspflichten nur der Uni gewidmet sind – dasselbe übrigens räumlich gesprochen: der Wohnraum ist immer auch Arbeitsraum), wenn man eben sein Mailkonto der Praktikabilität wegen immer für alles verwendet hat (mitunter gehen ja auch innerhalb von Mails die Domänen ineinander über) – dann, ja, dann muss man sich erst angewöhnen, das „business“ ganz bewusst abzudrehen. Was mir hier, nach einer ersten Phase des Praktisch-rund-um-die-Uhr-an-die-nächste-Unterrichtseinheit-Denkens-weil-ich-ja-nicht-weiß-ob-ich-das-wirklich-schaffe erstaunlich gut gelungen ist. Mit fortschreitendem Semester wurde ich zunehmend cooler bzw. routinierter, was die Dauer und Einteilung meiner Vorbereitungszeit anging. Nach langer Zeit hatte ich wieder ganz bewusst freie Wochenenden, ohne nagendes Gefühl, dass dieses und jenes und das da drüben noch zu erledigen wären und man überhaupt, wenn schon nichts Konkretes ansteht, zumindest immer noch einen Fachartikel lesen könnte, um auf die Prüfung oder Abschlussarbeit bei XY besser vorbereitet zu sein/nicht als gefühlt kompletter Trottel durch das Studium zu gehen/… . Also eigentlich eine positive Entwicklung, sich selbst Zeit zu nehmen, etwa durch Lesen gedruckter Bücher zu entschleunigen, möchte man meinen. Aber.

Aber: Damit einhergehend (oder vielleicht auch nur zufällig parallel dazu entstanden/stärker geworden?) eben die „technische“ Unwilligkeit trotz umfassender technischer Möglichkeiten. Schreiben ist anstrengend, und mir in letzter Zeit oft zu. (Einwand: Was ist mit dem Blog? – Irgendwie ist es damit anders, vielleicht durch die öffentliche und dadurch gleichzeitig unpersönlichere Form; vielleicht, weil ich so das – möglicherweise trügerische – Gefühl habe, mehrere Leute gleichzeitig über mich auf dem Laufenden halten zu können – mehr oder minder auf dem Laufenden jedenfalls).

Und ja, so wie der zitierte Student denke ich auch, dass die Unwilligkeit durchaus in den Möglichkeiten begründet liegt, zumindest zum Teil: Gerade weil jedeR so schnell erreichbar ist, stellt man (nicht zuletzt an sich selbst) auch die Erwartung, rasch zu antworten (und trotzdem etwas Sinnvolles, für das Gegenüber womöglich auch noch Bedeutsames zu schreiben). Man möchte selbstverständlich am Leben von Freund_innen und Familie dranbleiben und kann das logischerweise über ein paar hundert Kilometer Entfernung nicht in dem Ausmaß wie gewohnt – nicht zuletzt, weil man ja nun auch ein „anderes“, gleichsam „gedoppeltes“ Leben vor Ort hat, dort, wo man sich gerade aufhält (man sollte meinen, mir als passionierter Besitzerin dreier Wohnsitze wäre die Situation nicht neu, aber sie ist es doch – nicht zuletzt, weil ich seit 20 Jahren (!) nie so lange durchgehend an einem Ort war, nie so viele Nächte hintereinander im selben Bett geschlafen habe wie jetzt in Krakau – und das wahrscheinlich selbst dann, wenn man die Unterbrechungen durch Zakopane und Warschau im April nicht herausrechnet).

Ich habe nie besonders gerne telefoniert und bin nach wie vor wahrscheinlich eine etwas „linkische“ Telefoniererin, aber Skype erscheint mir trotz des Obengesagten zunehmend als eine Möglichkeit, die ich verstärkt nutzen könnte (zumindest im Rahmen von abgemachten Anrufen – es ist mir zuwider, dieses vor sich hin gluckernde Programm immer im Hintergrund laufen zu haben). Ein Gespräch ist immerhin immer noch ein Gespräch, die verlangte Struktur wird beim Schreiben zum zusätzlichen Hemmschuh, gerade, wenn man auch an sich selbst ein paar Ansprüche hat (wie z.B. eigentlich den, nicht als jedes zweite Wort „auch“ zu schreiben).

Ein weiterer Grund, der in den technischen Möglichkeiten gefunden werden kann, ist die schon angedeutete Übersättigung: Man liest, schreibt, klickt soviel den ganzen Tag (und noch mehr, wenn man im Ausland ist und etwa Zeitungen oder gelegentlich den heimischen Rundfunk nur online bezieht, mithin also oft als erste Tat am Morgen den Computer einschaltet) und hat irgendwann genug davon. Man schämt sich, wenn das ausgerechnet zu Lasten der Menschen geht, mit denen man eigentlich am allerliebsten „in touch“ bleiben möchte, aber das Hirn ist zu dampfender Soße degeneriert und mehr als Belanglosigkeiten wollen einem nicht mehr einfallen, insbesondere, solange man vor dem Bildschirm hocken bleibt.

Was also tun? – Es ansprechen, auf Verständnis hoffen – und oft genug eine erstaunlich unverzerrt gespiegelte Situation bei der anderen Person vorfinden. Es scheint ein gewisses Syndrom zu sein, diese unerträgliche Leichtigkeit der Kommunikation.

Etwas mitteilen müssen, weil man ja kann (und/oder weil man besorgt ist, Watzlawicks Axiom folgend durch ein Nicht-Kommunizieren etwas zu kommunizieren, das man nicht kommunizieren möchte, nämlich Desinteresse) und irgendwann nichts mehr mitzuteilen vermögen oder nicht mehr in dieser Form. Wir können mehr kommunizieren als je zuvor in der Menschheitsgeschichte und können wohl doch nicht auf Dauer alle Kanäle bespielen, einen ungestoppten, durch nichts auf „natürliche“ Weise (z.B. Postweg, Kosten) verzögerten Strom andauernd am Laufen halten. Es fehlen irgendwie die Punkte, an denen man sich aktiv für Kommunikation entscheiden muss – stattdessen muss man sich wohl ab und zu aktiv gegen Kommunikation (in dieser oder jener Form oder Intensität) entscheiden.

Ich habe (nicht zuletzt, und hier folgt die womöglich nicht letzte Schleichwerbung: angeregt durch die Brinkmann-Lektüre) ein oder zwei Ideen, was ich persönlich, für mich bzw. in meiner Kommunikation, gegen dieses ‚Syndrom‘ tun könnte und möchte; aber es wird noch etwas Zeit brauchen, diese reifen zu lassen und dann ggf. umzusetzen. Vorerst: Do not necessarily stay tuned, but if you want to anyway, that’s fine. 🙂

Dinge, deren Funktion ich glaubte zu kennen (DDFIGZK)

Veröffentlicht: 9. März 2015 in Allgemein
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1) Kompott / kompot
Kompott, das sind eingelegte Früchte, die man aus dem Konservenglas in eine Schüssel gibt und mitsamt dem Saft löffelt? Fast. In Polen nimmt man den Saft (also eigentlich das den Fruchtgeschmack angenommen habende (Zucker-)Wasser), verdünnt ihn und serviert ihn (eventuell mit ein, zwei darin schwimmenden Früchten) als Getränk, insbesondere wenn man eine Milchbar führt und/oder ein Menü inkl. Getränk anbietet. Schmeckt gut, aber tote Litschis (beispielsweise) als Bodensatz sind doch ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

2) Klo-Vorraum
In einem ‚halböffentlichen‘ WC (etwa auf der Uni oder in einer Gaststätte) gilt in etwa: Der Vorraum vor der Klokabine beinhaltet ein Waschbecken, Händetrockner/Handtuchspender etc. und trägt zu einer rascheren ‚Abfertigung‘ bei: Während sich Person A noch die Hände wäscht und trocknet, kann Person B bereits in die eigentliche Kabine, während dann Person B die Hände wäscht, kann bereits Person C aufs Klo usw. usf. – Nicht unbedingt: Es kann auch die Tradition bestehen, dass beides, Vorraum und Kabine, obwohl durch eine verschließbare Tür getrennt, immer nur einer Person auf einmal ‚gehört‘. Möglicherweise ist der Vorraum nach außen hin versperrbar (es gibt also zwei Schlösser: zwischen Vorraum und Gang, und zwischen Kabine und Vorraum) und die Leute reagieren verwirrt, wenn sie in den Vorraum hineinkönnen, aber dann die Kabine besetzt und versperrt vorfinden.
Darüberhinaus sind solche „Einzel-WCs mit Vorraum“ üblicherweise unisex (in kleinen Gaststätten gibt es meist wirklich nur eines), was etwa an einer mehrheitlich von weiblichen Studierenden und Lehrkräften bevölkerten Bildungsstätte echte (Zeit-)Vorteile hat (für die Herren vielleicht weniger, aber die einzige andere logische Lösung wäre in so einem Fall ja eigentlich, dass es maximal in jedem zweiten Stockwerk ein Herren-WC gibt, also auch nicht schneller).

3) Litfaßsäulen
Litfaßsäulen sehen zwar irgendwie wohlgefällig aus, sind aber ansonsten ein bisschen für den Hugo, weil sie durch ihre Hohlform Platz wegnehmen und es unter Umständen gar nicht so einfach ist, dort ein Plakat schön zu affichieren. – Aber wo denn! Das polnische (oder Krakauer?) Patent: Man nehme ein schöne große Litfaßsäule und baue einfach eine Mini-Trafik hinein. Voilà.

Attention, mes amis,...

Attention, mes amis,…

...la colonne litfass.

…la colonne litfass.

P.S.: Wie ich feststellen musste, schreibt man Litfaßsäule tatsächlich mit „ß“, was zwar einerseits für’s Auge ein bisschen gefälliger wirkt als „Litfasssäule“ (und womit sich auch leichter feststellen lässt, ob man genügend „s“ in das Wort eingefügt hat), andererseits aber dem Gebot „kurzer Buchstabe – Doppel-s“ zuwiderläuft, das in mir als Kind der Rechtschreibreform tief verankert ist. Aber was soll man machen, der Typ hieß nunmal so. Klugschiss (mit Doppel-s!) des Tages Ende.