Mit ‘Lesen’ getaggte Beiträge

Es folgt: ein hoffentlich eloquenter Versuch darüber, warum es mir – derzeit oder zunehmend – so schwerfällt, sinnvolle Kommunikation aufrechtzuerhalten.

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„[…] – ist es ein Zeichen, gehört es dazu, daß Zwischenmenschliche Kommunikation heute um jeden Preis betrieben wird und betrieben werden soll – ist diese Kommunikations-Sucht, diese Sprechsucht, nicht wie Rabattmarkensammeln, billiger haben wollen, – was haben die Kommunikationssüchtigen denn zu sagen?“ (Ja, ich zitiere – immer noch und immer wieder – Brinkmann; Rom, Blicke S. 277).

Was habe ich denn zu sagen? – Das ist beim Bloggen, wie ich auch schon aus meiner (gefühlt: sehr viel) früheren Blog-Erfahrung weiß, immer eine große Frage. Wobei mir der Blog gegenwärtig als eine private, mit eher kleinem Personenkreis (aktiv) geteilte Fingerübung genug Spaß macht, damit ich mir nicht allzu selbstkritisch immer nur diese Frage stelle. Etwas anders stellt sich die Situation dar, wenn es eben um die (bei Brinkmann ob absichtlich oder unabsichtlich kapitalisierte) „Zwischenmenschliche Kommunikation“ geht. Hierzu ein ungefähres Zitat eines hiesigen Studenten, nachdem sich eine Lehrende gewundert hatte, dass die Studierenden trotz der vielen technischen Möglichkeiten so wenig miteinander kommunizieren und sich oft gegenseitig nicht (bzw. nicht ordentlich/rechtzeitig) Bescheid geben:

„Vielleicht gerade deswegen, weil wir so viele Möglichkeiten haben.“

Ich bin momentan, leider, auch ein bisschen an diesem Punkt. Ich kann mich oft lange nicht aufraffen, auf elektronische Post zu antworten. Am ehesten gehen noch sehr konkrete, sachbezogene Dinge, aber ausführliche Mails mit Freund_innen (Berichte, Erlebnisse, Zustände, Nachfragen)?

„Es ist alles sehr kompliziert.“ (Fred Sinowatz)

Skype ist eine gewisse Überbrückungshilfe, aber auch dazu muss man a) im Vorhinein per Mail o.ä. kommunizierend ausmachen dass wann ja und b) beim Gespräch selbst vor dem Computer sitzen, der seiner Qualitäten als Verblödungs- oder vielmehr Zeitfressermaschine wegen oft schon ungern aufgedreht wird – eine der Grundlagen für die ganze Problematik, nehme ich an: Das Private ist nicht politisch, sondern geschäftlich, immerzu. Dasselbe Gerät, oft derselbe Kanal (Mailbox, Twitter, Facebook…), bringt sowohl „business“ als auch „pleasure“, und weil es technisch möglich ist, immer erreichbar zu sein, braucht man (teils wohl „nur“ vor sich selbst…) einen ausformulierbaren Grund, es nicht zu sein.

Gerade wenn man das Unisystem als Studentin gewohnt ist, es z.B. aus dem Litwi-Studium nur zu gut kennt, dass das, was man aus eigenem Antrieb liest, immer wieder fließend übergeht in Pflichtlektüre bzw. „Verwertbarkeit“ für ein Referat oder eine Seminararbeit, dass man – egal in welchem Studium – um mit dem Stoff zurande zu kommen auch am Wochenende an Unizeugs arbeitet, dass die Bereiche Uni und Freizeit aufgrund der speziellen Zeitstruktur eines Studiums sich laufend abwechseln, ohne dass es klar abgrenzbare Bereiche (Nacht, Wochenende) gibt, die immer nur der Freizeit gewidmet sind (während es klar abgrenzbare Bereiche gibt, die wegen Anwesenheitspflichten nur der Uni gewidmet sind – dasselbe übrigens räumlich gesprochen: der Wohnraum ist immer auch Arbeitsraum), wenn man eben sein Mailkonto der Praktikabilität wegen immer für alles verwendet hat (mitunter gehen ja auch innerhalb von Mails die Domänen ineinander über) – dann, ja, dann muss man sich erst angewöhnen, das „business“ ganz bewusst abzudrehen. Was mir hier, nach einer ersten Phase des Praktisch-rund-um-die-Uhr-an-die-nächste-Unterrichtseinheit-Denkens-weil-ich-ja-nicht-weiß-ob-ich-das-wirklich-schaffe erstaunlich gut gelungen ist. Mit fortschreitendem Semester wurde ich zunehmend cooler bzw. routinierter, was die Dauer und Einteilung meiner Vorbereitungszeit anging. Nach langer Zeit hatte ich wieder ganz bewusst freie Wochenenden, ohne nagendes Gefühl, dass dieses und jenes und das da drüben noch zu erledigen wären und man überhaupt, wenn schon nichts Konkretes ansteht, zumindest immer noch einen Fachartikel lesen könnte, um auf die Prüfung oder Abschlussarbeit bei XY besser vorbereitet zu sein/nicht als gefühlt kompletter Trottel durch das Studium zu gehen/… . Also eigentlich eine positive Entwicklung, sich selbst Zeit zu nehmen, etwa durch Lesen gedruckter Bücher zu entschleunigen, möchte man meinen. Aber.

Aber: Damit einhergehend (oder vielleicht auch nur zufällig parallel dazu entstanden/stärker geworden?) eben die „technische“ Unwilligkeit trotz umfassender technischer Möglichkeiten. Schreiben ist anstrengend, und mir in letzter Zeit oft zu. (Einwand: Was ist mit dem Blog? – Irgendwie ist es damit anders, vielleicht durch die öffentliche und dadurch gleichzeitig unpersönlichere Form; vielleicht, weil ich so das – möglicherweise trügerische – Gefühl habe, mehrere Leute gleichzeitig über mich auf dem Laufenden halten zu können – mehr oder minder auf dem Laufenden jedenfalls).

Und ja, so wie der zitierte Student denke ich auch, dass die Unwilligkeit durchaus in den Möglichkeiten begründet liegt, zumindest zum Teil: Gerade weil jedeR so schnell erreichbar ist, stellt man (nicht zuletzt an sich selbst) auch die Erwartung, rasch zu antworten (und trotzdem etwas Sinnvolles, für das Gegenüber womöglich auch noch Bedeutsames zu schreiben). Man möchte selbstverständlich am Leben von Freund_innen und Familie dranbleiben und kann das logischerweise über ein paar hundert Kilometer Entfernung nicht in dem Ausmaß wie gewohnt – nicht zuletzt, weil man ja nun auch ein „anderes“, gleichsam „gedoppeltes“ Leben vor Ort hat, dort, wo man sich gerade aufhält (man sollte meinen, mir als passionierter Besitzerin dreier Wohnsitze wäre die Situation nicht neu, aber sie ist es doch – nicht zuletzt, weil ich seit 20 Jahren (!) nie so lange durchgehend an einem Ort war, nie so viele Nächte hintereinander im selben Bett geschlafen habe wie jetzt in Krakau – und das wahrscheinlich selbst dann, wenn man die Unterbrechungen durch Zakopane und Warschau im April nicht herausrechnet).

Ich habe nie besonders gerne telefoniert und bin nach wie vor wahrscheinlich eine etwas „linkische“ Telefoniererin, aber Skype erscheint mir trotz des Obengesagten zunehmend als eine Möglichkeit, die ich verstärkt nutzen könnte (zumindest im Rahmen von abgemachten Anrufen – es ist mir zuwider, dieses vor sich hin gluckernde Programm immer im Hintergrund laufen zu haben). Ein Gespräch ist immerhin immer noch ein Gespräch, die verlangte Struktur wird beim Schreiben zum zusätzlichen Hemmschuh, gerade, wenn man auch an sich selbst ein paar Ansprüche hat (wie z.B. eigentlich den, nicht als jedes zweite Wort „auch“ zu schreiben).

Ein weiterer Grund, der in den technischen Möglichkeiten gefunden werden kann, ist die schon angedeutete Übersättigung: Man liest, schreibt, klickt soviel den ganzen Tag (und noch mehr, wenn man im Ausland ist und etwa Zeitungen oder gelegentlich den heimischen Rundfunk nur online bezieht, mithin also oft als erste Tat am Morgen den Computer einschaltet) und hat irgendwann genug davon. Man schämt sich, wenn das ausgerechnet zu Lasten der Menschen geht, mit denen man eigentlich am allerliebsten „in touch“ bleiben möchte, aber das Hirn ist zu dampfender Soße degeneriert und mehr als Belanglosigkeiten wollen einem nicht mehr einfallen, insbesondere, solange man vor dem Bildschirm hocken bleibt.

Was also tun? – Es ansprechen, auf Verständnis hoffen – und oft genug eine erstaunlich unverzerrt gespiegelte Situation bei der anderen Person vorfinden. Es scheint ein gewisses Syndrom zu sein, diese unerträgliche Leichtigkeit der Kommunikation.

Etwas mitteilen müssen, weil man ja kann (und/oder weil man besorgt ist, Watzlawicks Axiom folgend durch ein Nicht-Kommunizieren etwas zu kommunizieren, das man nicht kommunizieren möchte, nämlich Desinteresse) und irgendwann nichts mehr mitzuteilen vermögen oder nicht mehr in dieser Form. Wir können mehr kommunizieren als je zuvor in der Menschheitsgeschichte und können wohl doch nicht auf Dauer alle Kanäle bespielen, einen ungestoppten, durch nichts auf „natürliche“ Weise (z.B. Postweg, Kosten) verzögerten Strom andauernd am Laufen halten. Es fehlen irgendwie die Punkte, an denen man sich aktiv für Kommunikation entscheiden muss – stattdessen muss man sich wohl ab und zu aktiv gegen Kommunikation (in dieser oder jener Form oder Intensität) entscheiden.

Ich habe (nicht zuletzt, und hier folgt die womöglich nicht letzte Schleichwerbung: angeregt durch die Brinkmann-Lektüre) ein oder zwei Ideen, was ich persönlich, für mich bzw. in meiner Kommunikation, gegen dieses ‚Syndrom‘ tun könnte und möchte; aber es wird noch etwas Zeit brauchen, diese reifen zu lassen und dann ggf. umzusetzen. Vorerst: Do not necessarily stay tuned, but if you want to anyway, that’s fine. 🙂

Das könnt ihr vermutlich nicht lesen (Plakat des Kraków Film Festival).

Das könnt ihr vermutlich nicht lesen (Plakat des Kraków Film Festival).

Ein warnendes Wort vorab: Es wird in diesem laaangen Blogeintrag ein bisschen (sehr) sprachphilosophisch und auch etwas sprachwissenschaftlich – please bear with me (oder schließt den Tab gleich wieder – ihr wurdet gewarnt ;-)).

Ich höre gerade mit großem Interesse und auch einigem Gewinn den „History of English“-Podcast nach und habe mich auch ein wenig mit dem tollen (und in der Beta-Phase derzeit kostenlosen) Tool zum Französisch-Lernen von lingvist.io beschäftigt und denke deswegen vielleicht stärker als sonst über Fragen der Mehrsprachigkeit, Sprachverwandtschaft und – mit beidem zusammenhängend – der sog. Interkomprehension nach. Unter Interkomprehension versteht man die gegenseitige Verständlichkeit von Sprachen innerhalb einer Sprachfamilie – als Begriff geprägt (soweit ich weiß) und als Konzept verwendet wurde und wird die Interkomprehension in der „EuroCom“-Reihe von Horst G. Klein und Tilbert D. Stegmann. Die Idee, heruntergebrochen auf ein konkretes Beispiel: Wenn jemand Französisch und/oder Spanisch gelernt hat, kann er insbesondere geschriebenes Katalanisch sehr schnell und mit wenigen Hilfestellungen verstehen lernen. Die Hilfestellungen beziehen sich v.a. auf Bereiche, die zwischen der neuen Sprache (Katalanisch) und den sog. Brückensprachen (Französisch, Spanisch) unterschiedlich sind; „echte Freunde“, die auf Anhieb korrekt verstanden werden, brauchen nicht nochmals explizit neu gelernt zu werden.

(Einschub: Die Bezeichnung „Brückensprache“ bezieht sich hier auf die subjektive Situation der einzelnen Sprachlernerin – die schon mehr oder minder bekannten Sprachen werden als Brücke zur neuen Sprache verwendet. In der Linguistik wird der Begriff „Brückensprache“ üblicherweise anders verwendet, und zwar um objektive Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Sprachen auszudrücken; linguistisch gesehen wird z.B. Katalanisch als Brückensprache zwischen dem iberoromanischen Spanischen und dem galloromanischen Französischen bezeichnet, da Katalanisch sowohl ibero- als auch galloromanische Merkmale aufweist).

Zurück zur Interkomprehension: Man merkt, es geht um Verstehen (comprehension), um rezeptive Fertigkeiten, und vor allem eben um das Lesen. Ich finde diesen Ansatz sehr interessant und wichtig, da es in unserer heutigen Welt viel mehr schriftliche Kommunikation im Alltag gibt als früher und wir durch das Internet Zugang zu Medien in Fremdsprachen haben, den wir ohne das Internet nicht oder nur in sehr eingeschränktem Umfang hätten (außerdem würden sich viele Menschen wohl nicht regelmäßig eine Zeitung oder Zeitschrift in einer Sprache kaufen (können), die sie noch nicht so gut verstehen, dass sie von der gesamten Zeitung oder Zeitschrift etwas haben und sich der Kauf somit „wirklich“ auszahlt; über das Internet kann man dagegen leicht einzelne Artikel oder Blogeinträge im Internet lesen).

Natürlich ist die Fertigkeit Lesen alleine noch keine vollständige Sprachkompetenz; aber es ist ein Schritt und (was meiner Meinung nach bei der Anwendung des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen, kurz GER(S), oft vergessen wird) es mag für gewisse Personen in gewissen Situationen vollkommen ausreichend sein, eine bestimmte Sprache (schriftlich) rezeptiv (halbwegs) erfassen zu können, ohne sie selbst sprechen oder schreiben zu können.

Warum aber die Konzentration auf geschriebene Sprache in diesem Konzept der Interkomprehension? Einerseits gibt es ganz offensichtliche Gründe: geschriebene Texte sind normalerweise leichter zugänglich (zu machen) als gesprochene – ist ein Buch einmal gedruckt, braucht man kein technisches Equipment mehr, um es zu lesen; wenn man die Texte am PC bearbeitet, braucht man immerhin keine Möglichkeit zur Tonausgabe – und man kann beim Lesen das Tempo selbst bestimmen und problemloser im Text zurückgehen oder sich auf ein, zwei Wörter konzentrieren.

(Ein weiterer Exkurs: Gesprochene Sprache, sagt man klassischerweise, ist in der direkten Kommunikationsstuation leichter zu verstehen als „vom Band“ („vom Band“ meint: wenn die Kommunikation nur in eine Richtung geht und/oder keine optischen bzw. nonverbalen Hilfen vorhanden sind). Dem würde ich zustimmen, insbesondere, wenn man nicht die Möglichkeit hat, die Stimme „vom Band“ so lange zu wiederholen, bis man mehr davon versteht als beim ersten Anhören. Allerdings finde ich es eine Überlegung wert, ob diese einfachen Kommunikationssituationen, in denen man sich auch mit sehr geringen Sprachkenntnissen verständigen kann, nicht im Grunde oft solche Situationen sind, in denen man Sprache im Sinne menschlicher, zu Abstraktion fähiger Sprache gar nicht bräuchte – ob man also nicht in solchen Situationen bis zu 100% mittels para- und nonverbaler Kommunikation, ggf. noch mit Hilfe von Schrift – also eben nicht mündlich – löst, wenn man etwa Zahlen, die man in der anderen Sprache nicht benennen kann, aufschreibt).

Doch zur geschriebenen Sprache und der Frage, warum Interkomprehension in den romanischen, slawischen und germanischen Sprachen so gut funktionieren kann (ich bin so frei, zu sagen, unter Ausklammerung dessen, dass man innerhalb der slawischen Sprachfamilie an manchen Punkten das Alphabet wechseln muss). Ich denke, dass wir hier u.a. davon zehren, dass die europäischen Mitglieder der indoeuropäischen Sprachfamilie sich – teilweise stark – bis zum heutigen Sprachstand weiterentwickelt haben, nachdem sie (bzw. ihre Vorläufer) bereits verschriftlicht worden waren. Besonders deutlich ist dies wohl bei den romanischen Sprachen, wo sich eine verschriftlicht vorhandene Kultursprache (Latein) in verschiedene neue Sprachen ausdifferenziert hat, die zwar unterschiedliche Substrate aufnahmen (keltische Sprachen, Baskisch, germanische Einflüsse…), aber deren (neuerliche) Schriftwerdung sich doch sehr oft an der Etymologie, an der – geschriebenen – Geschichte eines Wortes orientiert hat (z.B. kann man im Französischen manches nach einem Vokal ausgefallene „ehemalige s“ heute noch sehen, weil dort jetzt ein Circumflex steht – das erleichtert natürlich, wenn man von diesem „orthographischen Fossil“ einmal gehört hat, einen Vergleich mit Latein und anderen romanischen Sprachen, die das „s“ an der entsprechenden Stelle erhalten haben).

Anders ausgedrückt, wurden also in verschiedene Nachfolgevarietäten ähnliche Schreibungen übernommen, obwohl sich die Lautung viel stärker ausdifferenziert hatte, bzw. wurden vorhandene Buchstaben(kombinationen) weiterverwendet, obwohl sie in den neueren Sprachen unterschiedliche Phoneme bezeichnen. Deutlich wird der „erspart gebliebene“ Unterschied dann, wenn man sich vorstellt, es hätte etwa im Mittelalter oder der frühen Neuzeit schon ein dermaßen elaboriertes Verschriftlichungssystem gegeben wie das IPA (Internationale Phonetische Alphabet): So werden im Portugiesischen die zahlreichen „sch“-Laute im Wortauslaut und vor Plosiven weiterhin als „s“ bzw. Kombination aus „s“ und Plosiv („-sp-„, „-st-„, „-sc-„, „-sb-„) geschrieben. Deshalb sehen sich geschriebenens Portugiesisch und geschriebenes Spanisch viel ähnlicher als man beim reinen Hören vermuten würde (im Spanischen werden all diese geschriebenen „s“ als „s“ gesprochen).

Bei den germanischen Sprachen wird es etwas schwieriger, v.a. sobald Deutsch involviert ist, da die germanischen Sprachen erst nach einer sprachgeschichtlich bedeutsamen Entwicklung erstmals verschriftlicht wurden, nämlich nach der zweiten (= hochdeutschen) Lautverschiebung (bzw. teilweise in deren Endphase). Es gibt also keine gemeinsame Vorgängerschriftsprache (wie das Lateinische bei den romanischen Sprachen), deren Schreibungen mit je nach Sprache unterschiedlichen Aussprachenormen übernommen werden hätten können. So kam es, dass sich z.B. im Deutschen der Buchstabe „z“ für einen Laut eingebürgert hat, der eigentlich allgemeinverständlicher mit „ts“ geschrieben werden sollte (und manchmal immerhin als „tz“ geschrieben wird) – das gesprochene „t“ ist also für Leute, die zwar z.B. Englisch, Niederländisch oder eine skandinavische Sprache sprechen (und lesen), aber noch nichts über Deutsch gehört haben, beim Lesen unsichtbar. In diesem Fall wäre eine Schreibung nach IPA sogar aufschlussreicher: es würde deutlicher, dass es in Wörtern wie „zwei“, „zahm“, „Herz“ einen „ts“ (und nicht etwa einen „s“-Laut) gibt, dass diese Wörter also im Vergleich zu „two“, „tame“, „heart“ nur um ein „s“ erweitert sind, der schon bekannte „t“-Laut aber trotzdem vorhanden ist (so wie es etwa im Vergleich von „cat“ und „Katze“ oder „to sit“ und „sitzen“ sichtbar ist).

Entscheidend bleibt bei der Interkomprehension letztlich also wohl die eigene Neugierde und Experimentierfreude sowie ein gewisses Interesse für die „praktischen Seiten“ des systematischen Sprachwandels – und wahrscheinlich, so jedenfalls meine sehr empirische Erfahrung, eine kleine Starthilfe durch explizites Beschäftigen mit den Ausspracheregeln und eventuell ganz grundlegender Grammatik der neuen Sprache.

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Ein paar Tipps für mein späteres Selbst

Veröffentlicht: 8. Mai 2014 in Allgemein
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Nachdem ich nun, im Mai 2014, bereits eine Woche in Krakau verbracht habe (von einem Uni-Seminar ausgehend), möchte ich mir ein paar Dinge notieren, die meinem künftigen Selbst in (weniger als) einem Jahr vielleicht hilfreich sein könnten:

– Das ausgezeichnete* und preiswerte Selbstbedienungsrestaurant „Polskie smaki“ in der ul. Św. Tomasza.

– Die Supermarktkette Biedronka mit sehr studentenfreundlichen Preisen (z.B. 1,89 zł (!!!) für eine Hunderterpackung „Tee zum Hertrinken“).

– Bona Media (Buchhandlung und -verlag inkl. Kaffeehaus, Veranstaltungsraum und Kunstausstellungen) in der ul. Kanonicza. Deutsch- und englischsprachige Bücher – sowie Klassiker der deutschsprachigen Kinderliteratur in polnischer Übersetzung. ❤

– Für die gehobene Schokovernichtung: Krakowska Manufaktura Czekolady in der ul. Szewska (Pudding und heiße Schokolade mit jeweils massig Schlagobers, siehe Bild).

Krakowska Manufaktura Czekolady

* Jedenfalls hängt ein Diplom von einer „Pierogi-Meisterschaft“ im Gastraum…

Edit (13.05.2014): Noch ein Tipp, nicht mit Krakau an sich zusammenhängend, aber mit dem längeren Auslandsaufenthalt: Eine Abwesenheitsmitteilung bei der Post einrichten – so gehen amtliche Schriftstücke (RSa, RSb) mit dem Vermerk, bis wann man abwesend sein wird, an den Absender zurück.