Mit ‘Reisen’ getaggte Beiträge

Fernweh an der Holzwand

Veröffentlicht: 12. August 2015 in Allgemein
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VLUU L310 W  / Samsung L310 WFür alle, die sich immer schon gefragt haben, was ich mit all diesen treulich gesendeten Ansichtskarten eigentlich anfange… 🙂

Warsaw calling

Veröffentlicht: 23. April 2015 in Allgemein
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VLUU L310 W  / Samsung L310 W Ich bin gerade ein bisschen hinten nach im Blog, und meinen Beitragsschnitt aus dem März (14 Beiträge in 31 Tagen) werde ich im April wohl auch nicht ganz schaffen, und nicht nur, weil der April keine 31 Tage hat. Aber egal, hier bin ich wieder und zwar mit dem manchen schon auf anderen Kommunikationswegen versprochenen Bericht über meinen Kurztrip nach Warschau. Wobei „meinen Kurztrip“ zu spezifizieren ist – einerseits war es nicht nur meiner, sondern auch der meiner Mama, andererseits war der Aufenthalt von Freitag bis Sonntag natürlich nicht lange, der Trip, d.h. die Fahrt an sich, aber durchaus nicht ganz so kurz, wie sie hätte sein können – wir fuhren nämlich statt mit dem Zug mit dem Bus, weil Polskibus ein unschlagbares (bzw. nur von Polskibussens eigenen Folgeaktionen schlagbares) Angebot von 5 Zloty (1,25 Euro) pro Person und Fahrt hatte. Fahrtdauer dafür, u.a. weil Zwischenstopps in Kielce und Radom gemacht werden, fünf Stunden, bei der Hinfahrt fast eine Stunde länger, weil es vor dem Warschauer Flughafen relativ gewaltig staute. Schließlich glücklich in der Stadt angekommen, die die Sirene im Wappen trägt (s. Foto eines Laternenmasts links oben), fuhren wir fast eine weitere Stunde mit U-Bahn und Bus bis zu unserem Quartier. Womit eines schon einmal feststand: Warschau ist wohl doch einen Tick größer als Krakau… (um genau zu sein, hat Warschau etwa so viele Einwohner_innen wie Wien – etwas über 1,7 Mio. – während Krakau bei weniger als der Hälfte – rund 750.000 – hält).

(A propos Sirene im Wappen: Die schwertschwingende Warschauer Sirene gilt der Legende nach als die kämpferische Zwillingsschwester der Kopenhagener Meerjungfrau. DAS wäre ein doch etwas anderes Andersen-Märchen geworden…).

Warschau und Krakau – die beiden Städte schenken sich generell wenig, das kann man schon in Krakau mitbekommen, wo wir etwa am Ende einer Free Walking Tour den „wichtigsten polnischen Satz“ gelernt haben – „Nie lubię Warszawę“ (Ich mag Warschau nicht) – natürlich augenzwinkernd, aber doch mit wahrem Kern (in dieser Richtung der alten Hassliebe beruht das historisch betrachtet vor allem darauf, dass Warschau Ende des 16. Jahrhunderts Krakau den Status als Hauptstadt Polens weggeschnappt hat, weil Sigismund III. Wasa seinen Regierungssitz rund 300 km näher an sein heimatliches Schweden gelegt hat – die Dankbarkeit Warschaus für diese Aufwertung zur Hauptstadt ist etwa in der Sigismundsäule auf dem Warschauer Schlossplatz gut sichtbar abgebildet).

Ähnlich in Warschau, wo zwar die wichtigste Flaniermeile „Krakauer Vorstadt“ (Krakowskie Przedmieście) heißt, aber ansonsten doch nicht ganz verwunden ist, dass Krakau (als laut Nazi-Ideologie „urdeutsche Stadt“) während des Zweiten Weltkrieges weitgehend unverwüstet blieb, während in Warschau 85% der Gebäude (in der Alt- und Neustadt über 90%) systematisch von den Nazis dem Erdboben gleichgemacht wurden (in den jüdischen Wohnbezirken Muranów und Mirów, die zuletzt das Warschauer Ghetto bildeten, schon nach dem Warschauer Ghettoaufstand 1943, im Rest der Stadt nach dem Warschauer Aufstand vom August 1944). Umso beeindruckender das Faktum, dass von dieser Zerstörung heute nur noch wenig zu merken ist – innerhalb einer Rekordzeit von rund sieben Jahren wurde insbesondere die Warschauer Altstadt historisch getreu wieder aufgebaut, basierend auf Fotografien, Erinnerungen und vor allem den Veduten Canalettos aus dem 18. Jahrhundert. Das war, was mich letztlich für eine Fahrt nach Warschau „wirklich“ motiviert hat – dieser schier unglaubliche, detailgetreue, gewiss enorm mühsame rekonstruierende Wiederaufbau (nicht zuletzt deswegen mühsam, weil die sowjetische Besatzungs- und dann Hegemonialmacht davon nichts wissen wollte und der Wiederaufbau in großen Teilen von Warschauer Bürger_innen mit eigener Hand in ihrer Freizeit geleistet wurde).

DSC_0275Wenn man also nur wenig Zeit für eine Stadt dieser Größe hat (sowie für einen Tag – den Sonntag, der mit der Busabfahrt um 16 Uhr eher ein halber Tag war – schon fix etwas eingeplant hat – dazu mehr in einem weiteren Blogeintrag), dann schadet ein Überblick durch eine fachkundige Person gewiss nicht. Diesen Überblick fanden wir in der rund zweieinhalbstündigen „Old Town Tour“ der – auch in Warschau bestehenden – Free Walking Tours. Kurzweilig und kompetent verstand es unser Guide Przemysław (oder, wie ihn die polnischunfähigen Tourist_innen nennen dürfen, „Pse“), eine Gruppe von 30 bis 35 Personen trotz ungemütlichen Wetters bei Laune (und bei der Stange) zu halten – daher gilt auch in dieser Stadt für die Free Walking Tours: Prädikat empfehlenswert. Ungemütliches Wetter ist leider ein über dem gesamten Warschau-Wochenende schwebendes Stichwort, es war kalt und windig, teilweise regnerisch – vor allem aber kalt, kalt und nochmals kalt, insbesondere: kälter als erwartet (oder erhofft). Da ich sonst mangels mitgebrachter wärmerer Kleidung eigentlich keine Möglichkeiten hatte, mich „zwiebelschalenmäßig“ aufzupeppen, habe ich am Sonntag dann schließlich zwei T-Shirts übereinander angezogen (unter Weste und Frühlingsjacke). Besser, aber nicht ideal… merke: Always know where your Wintermantel is… oder so.

Zum Abschluss dieses ersten Teils meines Warschau-Berichts noch ein paar Impressionen, die nicht alle in den Reiseführern zu finden sind:

"Pegásen" ((c) M.L.)  vor dem Palais Krasiński, einem ebenfalls nach einer Canaletto-Ansicht wieder aufgebauten Barockschloss, das heute einen Teil der Nationalbibliothek beinhaltet

„Pegásen“ ((c) M.L.) vor dem Palais Krasiński, einem ebenfalls nach einer Canaletto-Ansicht wieder aufgebauten Barockschloss, das heute einen Teil der Nationalbibliothek beinhaltet.

Ein zutraulicher Enterich im Łazienki-Park. Es gibt auf meiner Speicherkarte mutmaßlich mehr Fotos von ihm als vom Rest Warschaus zusammen. (Und ja, ich weiß, dass der terminus technicus "Erpel" lautet).

Ein zutraulicher Enterich im Łazienki-Park. Es gibt auf meiner Speicherkarte mutmaßlich mehr Fotos von ihm als vom Rest Warschaus zusammen. (Und ja, ich weiß, dass der terminus technicus „Erpel“ lautet).

Der Kulturpalast, ein wunderschiarches Beispiel realsozialistischen Architekturgeschmacks. Heute von geschmackvollen U-Bahn-Eingängen und nicht minder geschmackvollen neuen Hochhäusern umgeben.

Der Kulturpalast, ein wunderschiarches Beispiel realsozialistischen Architekturgeschmacks. Heute von selbstverständlich höchst geschmackvollen U-Bahn-Eingängen und nicht minder geschmackvollen neuen Hochhäusern umgeben.

Sage keiner, dass in Polen nicht ordentlich recyclet wird.

Sage keiner, dass in Polen nicht ordentlich recyclet wird.

Abschließender Beweis, dass die Schweizer_innen überall hinkommen... ;)

Tourismus-Werbung auf dem Schlossplatz: Abschließender Beweis, dass die Schweizer_innen überall hinkommen… 😉

Back in mah city

Veröffentlicht: 7. April 2015 in Allgemein
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Ja, so hat sich das heute angefühlt. Klingt vielleicht seltsam, ist aber so. Wobei sich das „Meins!“-Gefühl nicht darauf bezieht, dass ich stante pede für immer hierbleiben möchte (zu der Frage hätte ich gerne mindestens den Telefonjoker, bitte!), sondern dass Krakau eben etwas Bekanntes, auf gewisse Weise und zumindest in gewissen Bereichen heimelig Gewordenes ist. Das hat bei Wien viel länger gedauert (zum ersten Mal habe ich dieses „Heimkehren in meine Stadt“ Ende 2009 oder Anfang 2010 gefühlt, als ich eines Abends, aus Richtung Norden kommend, mit der U6 über die Donau zurück nach Cisdanubien gefahren bin – sorry, Donaustadt und Floridsdorf, ihr seid für mich nach wie vor irgendwie Outback), was wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass Wien für mich die „Ur-Stadt“, das Muster meiner Verstädterung, ist und bleiben wird – ich habe Zeit (eben in und mit Wien) gebraucht, um nach und nach zu kapieren, wie Stadtleben funktioniert (oder funktionieren kann). Das ist Zeit, die ich (nicht eins-zu-eins, aber zu einem Gutteil) bei jeder folgenden Stadt, und sei sie nur im Urlaub besucht, einsparen kann (nota bene: Ich spreche von europäischen Städten… ;)).

Vielleicht hatte das positive Gefühl des An- und Heimkommens heute aber auch einfach recht prosaische Hintergründe – und war geprägt von der ganz grunsätzlichen Freude überhaupt irgendwo anzukommen (wo es noch dazu ein Klo gibt!). Denn meine Busfahrt von Zakopane retour war mit folgenden, teils durch ausgesprochene Austriazismen/Dialektismen zu beschreibende, Glanzlichter gesegnet:

First and foremost, ein relativ fest ang’rennter Buschaffeur, der es zuerst nicht für nötig hielt, mehr als fünf Minuten vor Abfahrt zum Bussteig zu rangieren, sodann das Kofferabteil einfach nicht öffnete (eine Carolyn-Knapp-Shappey-artige resolute Dame hat das dann eingefordert, zu dem Zeitpunkt war jedoch der Chaffeur bereits mit der unvorstellbaren Tatsache überfordert, dass da Leute in seinen Bus einsteigen wollen, und zwar nicht zu knapp – hier gibt es kein optisches Wortspiel zu sehen, gehen Sie bitte weiter) und dann, ca. fünf Minuten nach geplanter Abfahrtszeit, vom Fahrer des folgenden Busses schlicht weggestampert werden musste, weil er noch immer keinen Zeitdruck verspürte. Gemäß seines somit bereits zu Tage getretenen Mottos „Ich habe alle Zeit der Welt“, hielt er trotzdem höchst gemächlich bei jeder sich bietenden Bushaltestelle (um nicht zu sagen, bei jeder Mülibitschn), um weitere Leute in den bereits vollen und verspäteten Bus einsteigen zu lassen.

Sodann hatte ich durch den Geniestreich des anfangs nicht offenen Kofferabteils und mein Dasein als Alleinreisende das zweifelhafte Vergnügen, als eine der letzten an der Ausgangshaltestelle Einsteigenden zwar noch den letzten freien Fensterplatz (bzw. zu diesem Zeitpunkt die letzte freie Zweierbank) zu erhaschen, es wurde aber recht schnell klar, warum dieser Fensterplatz noch frei geblieben war: Befand er sich doch hinter einer schmerzbefreiten Mutter und ihrem liebreizenden, ca. sechsjährigen Töchterchen, die ihre Sitze maximal zurückgelehnt hatten und für subtile Andeutungen nicht zu haben waren (wer mich kennt, weiß, dass meine stereotype innere Britin nie ein solches Gespräch mit Fremden vom Zaun brechen würde, das eventuell in ein Streitgespräch über Rücksichtnahme in Reisebussen umschlagen könnte).

Während hinter mir jemand derart rasselnd hustete, dass ich Tuberkulose im Endstadium annehmen musste, rotzelte das Töchterchen vor mir die ganze Fahrt vor sich hin, teilweise von der Mutter zum Schneuzen in ein Taschentuch gebracht, wobei es sich während des Schneuzens auch gerne voller Begeisterung stehend auf dem Sitz nach hinten drehte (die gute Frau Mama hat am Ende ein prallgefülltes Sackerl mit angeschneuzten Taschentüchern an ihrem Sitz hängengelassen, anstatt die Bakterienschleuder einfach selbst die drei Schritte zum nächsten Mistkübel außerhalb des Busses zu tragen – wie gesagt, schmerzfrei). Weitere Beschäftigungstherapien waren das anfangs pausenlose Fotografieren mit Mamas Handy (eingestellter Auslöseton war in etwa Konica anno 1895, also laut und krachend), die (immerhin oder leider nur?) besockten Füße in alle Himmelsrichtungen zu strecken bzw. an der Fensterscheibe entlang möglichst weit nach hinten und vorne zu schieben. (Ich möchte anmerken, dass ich normalerweise eine – meiner Meinung nach bzw. für eine Person ohne regelmäßigen Kleinkindkontakt – große, auch innere, Geduld für Kinder aufbringe, aber für deren Erziehungsberechtigte ist diese Geduld wesentlich schneller erschöpft, wenn diese offensichtlich nicht fähig sind, wahrzunehmen, dass sie nicht alleine auf der Welt sind).

Dazu kam dann, dass die Fahrt nicht wie geplant (und bei der Hinfahrt im Übrigen problemlos durchexerziert) ca. zwei Stunden dauerte, sondern etwas über vier – dank Stau, Stau und nochmal Stau bewegte sich der Bus mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 30 km/h. Unterstützt wurde dies durch die erwähnte natürliche Tendenz des Fahrers, jeden Halt unnötig auszudehnen und auch dann aus der Kolonne hinaus- und an die Bushaltestelle zu fahren, wenn dort klar ersichtlich niemand stand (und auch niemand aussteigen wollte). Im Stop-and-Go-Verkehr bewies er wiederholt durch ruckartiges Wegfahren und Bremsen, was sich schon bei seinem Rangiermanöver am Busbahnhof angedeutet hatte, dass er nämlich für den sog. Langsamfahrbereich ungefähr so gut geeignet sein dürfte wie ich, nur dass er statt ab und zu den PKW eines Elternteils täglich einen Reisebus fährt. Naja, nennen wir es Training, vielleicht wird’s irgendwann besser.

tl;dr: Mit leicht verquerem Busfahrer und den Vor-mir-Sitzenden aus der Hölle so lange unterwegs, dass ich in der selben Zeit sogar mit dem irre langsamen Zug angekommen wäre. Der fährt nämlich auf Schienen, steht daher nicht im Stau, und bietet die Möglichkeit, während der Fahrt aufs Klo zu gehen.

Doch, wie gesagt, ich bin letztendlich angekommen und habe bislang weder Schnupfen noch Tuberkulose. Daher, nicht zuletzt passend zur Osterzeit: