Mit ‘Stadtleben’ getaggte Beiträge

Back in mah city

Veröffentlicht: 7. April 2015 in Allgemein
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Ja, so hat sich das heute angefühlt. Klingt vielleicht seltsam, ist aber so. Wobei sich das „Meins!“-Gefühl nicht darauf bezieht, dass ich stante pede für immer hierbleiben möchte (zu der Frage hätte ich gerne mindestens den Telefonjoker, bitte!), sondern dass Krakau eben etwas Bekanntes, auf gewisse Weise und zumindest in gewissen Bereichen heimelig Gewordenes ist. Das hat bei Wien viel länger gedauert (zum ersten Mal habe ich dieses „Heimkehren in meine Stadt“ Ende 2009 oder Anfang 2010 gefühlt, als ich eines Abends, aus Richtung Norden kommend, mit der U6 über die Donau zurück nach Cisdanubien gefahren bin – sorry, Donaustadt und Floridsdorf, ihr seid für mich nach wie vor irgendwie Outback), was wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass Wien für mich die „Ur-Stadt“, das Muster meiner Verstädterung, ist und bleiben wird – ich habe Zeit (eben in und mit Wien) gebraucht, um nach und nach zu kapieren, wie Stadtleben funktioniert (oder funktionieren kann). Das ist Zeit, die ich (nicht eins-zu-eins, aber zu einem Gutteil) bei jeder folgenden Stadt, und sei sie nur im Urlaub besucht, einsparen kann (nota bene: Ich spreche von europäischen Städten… ;)).

Vielleicht hatte das positive Gefühl des An- und Heimkommens heute aber auch einfach recht prosaische Hintergründe – und war geprägt von der ganz grunsätzlichen Freude überhaupt irgendwo anzukommen (wo es noch dazu ein Klo gibt!). Denn meine Busfahrt von Zakopane retour war mit folgenden, teils durch ausgesprochene Austriazismen/Dialektismen zu beschreibende, Glanzlichter gesegnet:

First and foremost, ein relativ fest ang’rennter Buschaffeur, der es zuerst nicht für nötig hielt, mehr als fünf Minuten vor Abfahrt zum Bussteig zu rangieren, sodann das Kofferabteil einfach nicht öffnete (eine Carolyn-Knapp-Shappey-artige resolute Dame hat das dann eingefordert, zu dem Zeitpunkt war jedoch der Chaffeur bereits mit der unvorstellbaren Tatsache überfordert, dass da Leute in seinen Bus einsteigen wollen, und zwar nicht zu knapp – hier gibt es kein optisches Wortspiel zu sehen, gehen Sie bitte weiter) und dann, ca. fünf Minuten nach geplanter Abfahrtszeit, vom Fahrer des folgenden Busses schlicht weggestampert werden musste, weil er noch immer keinen Zeitdruck verspürte. Gemäß seines somit bereits zu Tage getretenen Mottos „Ich habe alle Zeit der Welt“, hielt er trotzdem höchst gemächlich bei jeder sich bietenden Bushaltestelle (um nicht zu sagen, bei jeder Mülibitschn), um weitere Leute in den bereits vollen und verspäteten Bus einsteigen zu lassen.

Sodann hatte ich durch den Geniestreich des anfangs nicht offenen Kofferabteils und mein Dasein als Alleinreisende das zweifelhafte Vergnügen, als eine der letzten an der Ausgangshaltestelle Einsteigenden zwar noch den letzten freien Fensterplatz (bzw. zu diesem Zeitpunkt die letzte freie Zweierbank) zu erhaschen, es wurde aber recht schnell klar, warum dieser Fensterplatz noch frei geblieben war: Befand er sich doch hinter einer schmerzbefreiten Mutter und ihrem liebreizenden, ca. sechsjährigen Töchterchen, die ihre Sitze maximal zurückgelehnt hatten und für subtile Andeutungen nicht zu haben waren (wer mich kennt, weiß, dass meine stereotype innere Britin nie ein solches Gespräch mit Fremden vom Zaun brechen würde, das eventuell in ein Streitgespräch über Rücksichtnahme in Reisebussen umschlagen könnte).

Während hinter mir jemand derart rasselnd hustete, dass ich Tuberkulose im Endstadium annehmen musste, rotzelte das Töchterchen vor mir die ganze Fahrt vor sich hin, teilweise von der Mutter zum Schneuzen in ein Taschentuch gebracht, wobei es sich während des Schneuzens auch gerne voller Begeisterung stehend auf dem Sitz nach hinten drehte (die gute Frau Mama hat am Ende ein prallgefülltes Sackerl mit angeschneuzten Taschentüchern an ihrem Sitz hängengelassen, anstatt die Bakterienschleuder einfach selbst die drei Schritte zum nächsten Mistkübel außerhalb des Busses zu tragen – wie gesagt, schmerzfrei). Weitere Beschäftigungstherapien waren das anfangs pausenlose Fotografieren mit Mamas Handy (eingestellter Auslöseton war in etwa Konica anno 1895, also laut und krachend), die (immerhin oder leider nur?) besockten Füße in alle Himmelsrichtungen zu strecken bzw. an der Fensterscheibe entlang möglichst weit nach hinten und vorne zu schieben. (Ich möchte anmerken, dass ich normalerweise eine – meiner Meinung nach bzw. für eine Person ohne regelmäßigen Kleinkindkontakt – große, auch innere, Geduld für Kinder aufbringe, aber für deren Erziehungsberechtigte ist diese Geduld wesentlich schneller erschöpft, wenn diese offensichtlich nicht fähig sind, wahrzunehmen, dass sie nicht alleine auf der Welt sind).

Dazu kam dann, dass die Fahrt nicht wie geplant (und bei der Hinfahrt im Übrigen problemlos durchexerziert) ca. zwei Stunden dauerte, sondern etwas über vier – dank Stau, Stau und nochmal Stau bewegte sich der Bus mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 30 km/h. Unterstützt wurde dies durch die erwähnte natürliche Tendenz des Fahrers, jeden Halt unnötig auszudehnen und auch dann aus der Kolonne hinaus- und an die Bushaltestelle zu fahren, wenn dort klar ersichtlich niemand stand (und auch niemand aussteigen wollte). Im Stop-and-Go-Verkehr bewies er wiederholt durch ruckartiges Wegfahren und Bremsen, was sich schon bei seinem Rangiermanöver am Busbahnhof angedeutet hatte, dass er nämlich für den sog. Langsamfahrbereich ungefähr so gut geeignet sein dürfte wie ich, nur dass er statt ab und zu den PKW eines Elternteils täglich einen Reisebus fährt. Naja, nennen wir es Training, vielleicht wird’s irgendwann besser.

tl;dr: Mit leicht verquerem Busfahrer und den Vor-mir-Sitzenden aus der Hölle so lange unterwegs, dass ich in der selben Zeit sogar mit dem irre langsamen Zug angekommen wäre. Der fährt nämlich auf Schienen, steht daher nicht im Stau, und bietet die Möglichkeit, während der Fahrt aufs Klo zu gehen.

Doch, wie gesagt, ich bin letztendlich angekommen und habe bislang weder Schnupfen noch Tuberkulose. Daher, nicht zuletzt passend zur Osterzeit: