Mit ‘Wohnen’ getaggte Beiträge

Von Zombies und Wegbeschreibungen

Veröffentlicht: 22. Mai 2015 in Allgemein
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"Johannes Paul II. lebt"

„Johannes Paul II. lebt“

Die gute Nachricht zuerst: Johannes Paul II. lebt. Er erfreut sich bester Gesundheit, hat diese Woche seinen 95. Geburtstag gefeiert und lacht sich ins Fäustchen, dass sowohl der Bayer als auch der Argentinier immer noch im Vatikan festsitzen, während er, gemeinsam mit Elvis, gemütlich an der Weichsel sitzt und ein „Żywiec“ zwitschert. So zumindest meine Vorstellung, wenn ich mir oben abgebildetes Sprühwerk unweit meiner Wohnung so ansehe und durch den Kopf gehen lasse.

Sitzen vielleicht auch mit einem Bier an der Weichsel: "Achtung! Zombies auf Drogen"

Sitzen vielleicht auch mit einem Bier an der Weichsel: „Achtung! Zombies auf Drogen“

Die noch bessere Nachricht gleich hinten nach: Falls ihr euch immer schon gefragt habt, wozu man im Zeitalter von GPS und Googlemaps denn noch in jeglichen Fremdsprachen die Wegbeschreibung lernt – um den Einheimischen aushelfen zu können, ganz klar. Ich wurde heute innerhalb von 10 Minuten gänzlich unabhängig voneinander von zwei Pol_innen gefragt, wo denn diese und jene Straße sei (mein blending-in funktioniert also, bis dass ich den Mund aufmache, ganz blendend). Eine hab ich gewusst, die andere so auf die Schnelle nicht. Und die nicht so gute Nachricht: Ich habe (noch) nie Wegbeschreibungen auf Polnisch gelernt. Daher kann ich sowieso nur mit den Armen rudern und den Straßennamen wiederholend „tam“ stammeln. Die ältere Dame, die mich um die ul. Bartorego gefragt hatte, war damit aber offenbar zufrieden und ist (ohne eine oder einen der zahlreichen weiteren Passant_innen anzuhalten) in die gezeigte Richtung abgezogen.

Auch sehr schön: Ich hatte wieder Post – diesmal aus Stockholm. Daaankeee! 🙂 (Der Postweg Skandinavien–Polen scheint wirklich schnell und zuverlässig zu funktionieren…).

Post aus dem kalten Norden

Post aus dem kalten Norden

More News from Frühling

Veröffentlicht: 26. April 2015 in Allgemein
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VLUU L310 W  / Samsung L310 W

Es wurde warm, sehr sonnig und ein wenig schwül. So ließe sich das soeben zu Ende gehende Wochenende in Krakau umschreiben. Ich habe mich mal wieder ein bisschen auf durch die Botanik gemacht und bisher nicht besichtigte Teile von Podgórze, dem Bezirk südlich der Weichsel, „erwandert“ – insbesondere den Krak-Hügel aus dem 7. Jh., zu dem hoffentlich mal noch ein ausführlicherer Blogeintrag folgen wird (im Verband mit (den) anderen Gedenkhügeln Krakaus).

VLUU L310 W  / Samsung L310 W

Das ist, was ich mit nach Hause trage, wenn man mich in der halbwegs freien Natur herumstromern lässt: Irgendeine Art von altem Holzköfferchen oder Deckel von was auch immer, auf einer Seite angeschmort, das ich aber einfach nicht liegenlassen konnte. Irgendwas werde ich damit schon machen – Bilderrahmen o.ä. Man habe Geduld und erwarte in mehreren Dezennien Berichte über das Erreichte.

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Gefunden habe ich außerdem eine Kandidatin für die Liste „Straßen in denen ich aus Spaß an der Gaudi gerne wohnen würde“ (eine Adresse in der ul. Kraka in Kraków – besser würde es nur mit der ul. Krakowska (!) in Kazimierz, die heute nominell ebenfalls in („Gesamt-„)Krakau liegt, deren Name aber daher rührt, dass Kazimierz sehr lange eine eigenständige Stadt war, die eben eine Straße hatte, die ins benachbarte Krakau führte).

Weiters konnte ich ein Viertel entdecken, das in mir doch etwas saudade aufkeimen ließ, erinnert es mit dem durch Treppen überwundenen Gelände (und irgendwie auch die Bebauungsweise) an die Lissabonner Alfama:

VLUU L310 W  / Samsung L310 W

Es klingt wahrscheinlich sehr schräg, aber dort oben, auf diesem Hang zwischen Krak-Hügel und Rynek Podgórski (dem Hauptplatz des Bezirks), habe ich es spontan sehr heimelig und gemütlich gefunden, obwohl ich einfach nur durchgewandert bin. Nicht, dass es mir dort, wo ich während meines Aufenthalts wohne, nicht gefällt, und dass die Lage der Wohnung für mein Praktikum kaum idealer sein könnte  – aber der leise Gedanke im Hinterkopf war: Wenn ich für längere Zeit in Krakau wohnen würde und es irgendwie möglich wäre, dann würde ich gerne in diesem Teil Podgórzes wohnen. Ich kann es nicht einmal richtig benennen, warum, und der Gedanke, für längere Zeit nach Krakau zu ziehen, hat auch keine Substanz, aber es war als eine Art „Bauchgefühl“ einfach so da.

VLUU L310 W  / Samsung L310 W

P.S.: Der denglische Titel musste wegen des Metrums sein: Spring hat leider nur eine Silbe, Frühling hat deren zwei. Zwei Silben müssen es sein, weil der Titel sich darauf bezieht. Für’s Herumwandern in einer frühlingshaft-sonnig-schwülen Stadt gehören Nick Cave & the Bad Seeds (nebst anderen) zu meinem Pflichtprogramm.

Back in mah city

Veröffentlicht: 7. April 2015 in Allgemein
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Ja, so hat sich das heute angefühlt. Klingt vielleicht seltsam, ist aber so. Wobei sich das „Meins!“-Gefühl nicht darauf bezieht, dass ich stante pede für immer hierbleiben möchte (zu der Frage hätte ich gerne mindestens den Telefonjoker, bitte!), sondern dass Krakau eben etwas Bekanntes, auf gewisse Weise und zumindest in gewissen Bereichen heimelig Gewordenes ist. Das hat bei Wien viel länger gedauert (zum ersten Mal habe ich dieses „Heimkehren in meine Stadt“ Ende 2009 oder Anfang 2010 gefühlt, als ich eines Abends, aus Richtung Norden kommend, mit der U6 über die Donau zurück nach Cisdanubien gefahren bin – sorry, Donaustadt und Floridsdorf, ihr seid für mich nach wie vor irgendwie Outback), was wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass Wien für mich die „Ur-Stadt“, das Muster meiner Verstädterung, ist und bleiben wird – ich habe Zeit (eben in und mit Wien) gebraucht, um nach und nach zu kapieren, wie Stadtleben funktioniert (oder funktionieren kann). Das ist Zeit, die ich (nicht eins-zu-eins, aber zu einem Gutteil) bei jeder folgenden Stadt, und sei sie nur im Urlaub besucht, einsparen kann (nota bene: Ich spreche von europäischen Städten… ;)).

Vielleicht hatte das positive Gefühl des An- und Heimkommens heute aber auch einfach recht prosaische Hintergründe – und war geprägt von der ganz grunsätzlichen Freude überhaupt irgendwo anzukommen (wo es noch dazu ein Klo gibt!). Denn meine Busfahrt von Zakopane retour war mit folgenden, teils durch ausgesprochene Austriazismen/Dialektismen zu beschreibende, Glanzlichter gesegnet:

First and foremost, ein relativ fest ang’rennter Buschaffeur, der es zuerst nicht für nötig hielt, mehr als fünf Minuten vor Abfahrt zum Bussteig zu rangieren, sodann das Kofferabteil einfach nicht öffnete (eine Carolyn-Knapp-Shappey-artige resolute Dame hat das dann eingefordert, zu dem Zeitpunkt war jedoch der Chaffeur bereits mit der unvorstellbaren Tatsache überfordert, dass da Leute in seinen Bus einsteigen wollen, und zwar nicht zu knapp – hier gibt es kein optisches Wortspiel zu sehen, gehen Sie bitte weiter) und dann, ca. fünf Minuten nach geplanter Abfahrtszeit, vom Fahrer des folgenden Busses schlicht weggestampert werden musste, weil er noch immer keinen Zeitdruck verspürte. Gemäß seines somit bereits zu Tage getretenen Mottos „Ich habe alle Zeit der Welt“, hielt er trotzdem höchst gemächlich bei jeder sich bietenden Bushaltestelle (um nicht zu sagen, bei jeder Mülibitschn), um weitere Leute in den bereits vollen und verspäteten Bus einsteigen zu lassen.

Sodann hatte ich durch den Geniestreich des anfangs nicht offenen Kofferabteils und mein Dasein als Alleinreisende das zweifelhafte Vergnügen, als eine der letzten an der Ausgangshaltestelle Einsteigenden zwar noch den letzten freien Fensterplatz (bzw. zu diesem Zeitpunkt die letzte freie Zweierbank) zu erhaschen, es wurde aber recht schnell klar, warum dieser Fensterplatz noch frei geblieben war: Befand er sich doch hinter einer schmerzbefreiten Mutter und ihrem liebreizenden, ca. sechsjährigen Töchterchen, die ihre Sitze maximal zurückgelehnt hatten und für subtile Andeutungen nicht zu haben waren (wer mich kennt, weiß, dass meine stereotype innere Britin nie ein solches Gespräch mit Fremden vom Zaun brechen würde, das eventuell in ein Streitgespräch über Rücksichtnahme in Reisebussen umschlagen könnte).

Während hinter mir jemand derart rasselnd hustete, dass ich Tuberkulose im Endstadium annehmen musste, rotzelte das Töchterchen vor mir die ganze Fahrt vor sich hin, teilweise von der Mutter zum Schneuzen in ein Taschentuch gebracht, wobei es sich während des Schneuzens auch gerne voller Begeisterung stehend auf dem Sitz nach hinten drehte (die gute Frau Mama hat am Ende ein prallgefülltes Sackerl mit angeschneuzten Taschentüchern an ihrem Sitz hängengelassen, anstatt die Bakterienschleuder einfach selbst die drei Schritte zum nächsten Mistkübel außerhalb des Busses zu tragen – wie gesagt, schmerzfrei). Weitere Beschäftigungstherapien waren das anfangs pausenlose Fotografieren mit Mamas Handy (eingestellter Auslöseton war in etwa Konica anno 1895, also laut und krachend), die (immerhin oder leider nur?) besockten Füße in alle Himmelsrichtungen zu strecken bzw. an der Fensterscheibe entlang möglichst weit nach hinten und vorne zu schieben. (Ich möchte anmerken, dass ich normalerweise eine – meiner Meinung nach bzw. für eine Person ohne regelmäßigen Kleinkindkontakt – große, auch innere, Geduld für Kinder aufbringe, aber für deren Erziehungsberechtigte ist diese Geduld wesentlich schneller erschöpft, wenn diese offensichtlich nicht fähig sind, wahrzunehmen, dass sie nicht alleine auf der Welt sind).

Dazu kam dann, dass die Fahrt nicht wie geplant (und bei der Hinfahrt im Übrigen problemlos durchexerziert) ca. zwei Stunden dauerte, sondern etwas über vier – dank Stau, Stau und nochmal Stau bewegte sich der Bus mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 30 km/h. Unterstützt wurde dies durch die erwähnte natürliche Tendenz des Fahrers, jeden Halt unnötig auszudehnen und auch dann aus der Kolonne hinaus- und an die Bushaltestelle zu fahren, wenn dort klar ersichtlich niemand stand (und auch niemand aussteigen wollte). Im Stop-and-Go-Verkehr bewies er wiederholt durch ruckartiges Wegfahren und Bremsen, was sich schon bei seinem Rangiermanöver am Busbahnhof angedeutet hatte, dass er nämlich für den sog. Langsamfahrbereich ungefähr so gut geeignet sein dürfte wie ich, nur dass er statt ab und zu den PKW eines Elternteils täglich einen Reisebus fährt. Naja, nennen wir es Training, vielleicht wird’s irgendwann besser.

tl;dr: Mit leicht verquerem Busfahrer und den Vor-mir-Sitzenden aus der Hölle so lange unterwegs, dass ich in der selben Zeit sogar mit dem irre langsamen Zug angekommen wäre. Der fährt nämlich auf Schienen, steht daher nicht im Stau, und bietet die Möglichkeit, während der Fahrt aufs Klo zu gehen.

Doch, wie gesagt, ich bin letztendlich angekommen und habe bislang weder Schnupfen noch Tuberkulose. Daher, nicht zuletzt passend zur Osterzeit: