Mit ‘Zakopane’ getaggte Beiträge

VLUU L310 W  / Samsung L310 WJa, wie im Titel schon überdeutlich angedeutet, war ich zum Essen bei Puuh und Tigger. In einem (sagen wir vorsichtig: etwas abgefucktem) Hinterhof an der ul. Krupówki (der erwähnten „Hauptstraße“ und durchtouristisierten Fußgängerzone in Zakopane) liegt ein (sagen wir vorsichtig: eklektisch eingerichtetes) kleines Lokal mit bodenständiger Küche, dessen Hinweisschild an der Straße mich mit einem Menü um 12 Zloty – und eben Winnie Puuh – geködert hatte. 15 Meter von der touristischen Haupteinfallsroute dann auch die (solange ich hinüberbringe, was ich möchte, irgendwie nette) Überraschung, dass hier Englisch weder gesprochen noch verstanden wird. Julianes Volldeppenpolnisch (und teils die lustigerweise doch übersetzte Speisekarte) for the rescue!

"Chakta Puchatka" bedeutet "Puuhs Hütte" und ist der polnische Titel von "The House at Pooh Corner", dem zweiten Puh-Bär-Buch von A.A. Milne (1928)

„Chakta Puchatka“ bedeutet „Puuhs Hütte“ und ist der polnische Titel von „The House at Pooh Corner“, dem zweiten Puuh-Bär-Buch von A.A. Milne (1928)

Das Menü war für den Preis ganz okay und sehr reichlich – die Tomatensuppe mit selbstgemachten (!) Nudeln sehr gut, das Hühnerschnitzel etwas fettig, die – leider – gewohnt faden und teils klobig-harten Erdäpfel letztlich einfach zu viel. Ach so, Rotkraut war auch dabei, als Salat und noch dazu als meine eigene Wahl (dafür wurde die polnisch-englische Speisekarte benötigt), aber das bitte nicht weitersagen, sonst fragt sich meine Oma, warum ich es bei ihr ein Vierteljahrhundert lang verweigert habe…

Das Puh-Thema wird bis zum Gartenzaun durchgezogen...

Das Puuh-Thema wird in der Chatka Puchatka bis zum Gartenzaun durchgezogen.

Irgendwann im Zuge meines Schnitzelessens trat ein deutschsprachiges Kind auf und – aus. Es wanderte nämlich vom großen Schankraum durch den kleineren Raum, wo ich saß, zum WC und teilte seinen Eltern noch in Lokallautstärke irgendeine Belanglosigkeit mit (Motto: es versteht eh keiner – und in dem Fall hat es die, die es verstanden hat, auch gleich wieder vergessen). Ich vermied schon beinahe instinktiv augenblicklich alles, was darauf hindeuten könnte, dass ich auch nur ansatzweise Deutsch verstehe oder spreche.

Auch so eine Zakopane-Geschichte, in zwei Bildern (eigentlich würde das zweitere schon reichen), schnell erzählt:

Wem drei Dimensionen zu wenig sind...

Wem drei Dimensionen zu wenig sind…

...der wechsle doch einfach ins 7D-Kino.

…der wechsle doch einfach ins 7D-Kino.

Und auch nicht schlecht – weder Weihnachten noch 1. April, aber dafür dem Schneefall angepasst: Die Ganzjahresriesenkrippe gegenüber der Kirche zur heiligen Familie in Zakopane:

VLUU L310 W  / Samsung L310 W

Der Zakopane-Bewohner_innen liebste Beschäftigung nach dem Zimmervermietern ist derzeit übrigens das Schneeschaufeln. Dank anhaltenden Schneefalls haben heute schon (fast) sämtliche Familienmitglieder meiner Vermieterin in der Einfahrt herumgekratzt – morgens schon der Opa, später dann die Kinder (zugegeben mehr Schnee zu Schneebällen geformt als geschaufelt), und schließlich sie selbst…

Im Lande der Góralinn_en

Veröffentlicht: 2. April 2015 in Allgemein
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Schon länger hatte ich im Hinterkopf die Idee herumspuken, dass ich Ostern nicht in Krakau verbringen werde (die Fahrt nach Österreich habe ich allerdings bereits noch früher als insgesamt zu stressig verworfen). Vor knapp zwei Wochen habe ich mich in einem vielleicht etwas verwegenen Schachzug entschieden, nach Zakopane zu fahren. Ja, DAS Zakopane – trotz meiner enden wollenden Begeisterung für TV-übertragenen Wintersport (wobei ich immerhin die nordischen Bewerbe meistens noch eine Spur interessanter finde als die alpinen) fahre ich also mit meiner unbeabsichtigen Europatour der Schisprungschanzen(-orte) fort…

Anfang April nach Zakopane zu fahren bedeutet: Zurück in die Zukunft, Winter olé – aber nachdem es heuer überall nördlich der Alpen nicht gerade frühlingshafte Ostern zu geben verspricht, ist das eher ein schrulliges Detail am Rande. Und mir ist „echter“ Winter mit Schnee und dem Wissen, wozu ich den Wintermantel und die Wollstrumpfhosen wieder ausmotte, jedenfalls für ein paar Tage sogar sehr sympathisch im Vergleich zu diesem Nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Wetter in Krakau derzeit – wo man mit Sonnenschein zum Hinausgehen geködert wird, um dann frierend im Wind und eventuellen Nieselregen zu stehen.

Der Frühling gibt auch auf rund 900 Metern Seehöhe noch nicht auf: Frühlingsknotenblumen in Zakopane.

Der Frühling gibt auch auf rund 900 Metern Seehöhe noch nicht auf: Frühlingsknotenblumen in Zakopane.

Zakopane ist so auf die ersten Blicke sehr unaufgeregt (jedenfalls abseits der Schisprungwettbewerbe und/oder Schitourismushochsaison), überschaubar, angenehm bergig (mein Orientierungszentrum funktioniert an der Nordseite einer Gebirgskette quasi spontan) und, insbesondere dort wo mein Privatzimmer liegt, genial tote Hose. Keine Leute, fast schon Waldeinsamkeit, und trotzdem der nächste Supermarkt nur 10-12 Gehminuten entfernt. Außerdem besteht Zakopane zu ca. 90% aus Häusern mit Privatzimmern; die restlichen 10% sind Hotels und Jugendherbergen.

Blick aus meinem Fenster um 17 Uhr...

Blick aus meinem Fenster um 17 Uhr…

...und eineinhalb Stunden sowie einmal Schneefall später.

…und eineinhalb Stunden sowie einmal Schneefall später.

Beinahe unnötig zu erwähnen, dass ich gegenwärtig in meiner Pension der einzige Pensionsgast bin – wenn auch nicht die einzige Nicht-Polin auf weiter Flur, so ist etwa im Bus von Krakau hierher gegenüber und hinter mir eine Gruppe spanischsprechender Hyperaktiver Anfang 20 gesessen (bzw. mehr oder minder gesessen) und auf der „Hauptstraße“, der ul. Krupówki, trieben sich u.a. französischsprachige Schüler_innen herum. Mit dem Bus hatte ich übrigens das Glück, von der Dame am Ticketschalter ein Ticket für jenen Betreiber verkauft zu bekommen, der mir zwar nicht im Vorfeld explizit empfohlen wurde, aber – wie sich an Ort und Stelle klar herauskristallisiert hat – die mir genehmeren Busse hat, nämlich ca. 50-Sitzer (mein Bus war fast halbleer, so dass ich mich auf zwei Sitzen ausbreiten konnte) – und nicht schnuckelige „halbe“ Busse mit ca. 25 Sitzplätzen wie die Konkurrenz. Danke, ich war schon dran…

Góralen (Hinterglasbild in meinem Pensionszimmer)

Góralen (Hinterglasbild in meinem Pensionszimmer)

Bleiben zum Abschluss noch kurz die Góralinn_en aus dem Titel zu erklären: Es handelt sich ursprünglich um Zuwanderer_innen vom Balkan, die Zakopane im 16. Jahrhundert gründeten, und bis ins 19. Jahrhundert mehr oder minder ungestört ihre urwüchsigen Holzhäuser bauten. Dann entdeckten Ärzt_innen und Sommerfrischler_innen (Höhenluft!) als Proto-Tourist_innen den Ort, später kamen Wintersportler_innen dazu – sowie um 1900 die Bohème, allen voran ein Architekt namens Stanisław Witkiewicz (ich hab’s in diesem Blog in letzter Zeit mit Architekten…), der die góralische Architektur mit Jugendstilelementen aufhübschte bzw. verfremdete und so den an Sockeln, Balkonen und Dekor reichen Zakopane-Stil schuf. Didn’t know that yesterday, eh? 🙂

Ein Beispiel für den "Zakopane-Stil" aus dem Jahr 1902...

Ein Beispiel für den „Zakopane-Stil“ aus dem Jahr 1902…

...sowie eines ungeklärten Datums. Kann man gerade kaufen, muss man aber nicht.

…sowie eines ungeklärten Datums. Kann man übrigens gegenwärtig kaufen, muss man aber nicht.