Mit ‘Zwierzynec’ getaggte Beiträge

Das Wetter hier ist in gewisser Hinsicht gewöhnungsbedürftig: Es wird schneller, mit weniger Abstufungen, warm als ich es aus dem Voralpenland gewöhnt bin; genauso wird es aber auch sehr, sehr schnell wieder (und wieder und wieder) nochmals kalt. Leider auch typisch ist, dass der Tag hell, warm und sonnig beginnt, und bis in die Nachmittagsstunden immer trüber und windiger wird. So auch heute, als ich beschlossen hatte, einen kleinen Sonntagsausflug in den wilden Westen Krakaus zu machen, wo sich Fuchs, Hase und Flughafenbus allem Anschein nach gute Nacht sagen.

So könnte es nämlich gehen: Vor acht Tagen an der Weichsel.

So könnte es nämlich gehen: Vor acht Tagen an der Weichsel.

Als ich von zu Hause startete, war es sonnig und warm. Ich setzte meine Kappe vor allem aus dem Motiv auf, nicht zuviel Sonne abzubekommen. Bis ich nach einem unfreiwilligen halbstündigen Stop-over an der Straßenbahnendhaltestalle Salwator und einem kleinen, äh, Umweg (weil ich in dem uralten Bus nicht mitbekommen hatte, wo ich aussteigen musste*) schließlich in Przegorzały ankam, hatte es dermaßen abgekühlt, dass ich froh war, die Kappe als Schutz gegen den Wind aufzuhaben, und außerdem meine Handschuhe herausfing. Mit der erhofften Wanderung durch die sonnenbeschienenen dörflich-villenviertelartigen Outskirts wurde es also eher nichts, aber zwei, drei durch ihr Gelb auf ihre Frühlingshaftigkeit hinweisenden Gewächse konnte ich doch entdecken:

Gewächs Nr. 1

Gewächs Nr. 1

VLUU L310 W  / Samsung L310 W

Weitere Gewächse

Sogar ein Eichhörnchen habe ich über den Weg laufen sehen, allerdings hatte es eindeutig kein Mitleid für Papparazzi wie mich und war schneller wieder im Gebüsch verschwunden als meine Kamera „zoom“ sagen konnte.

Wie dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel zu entnehmen ist, hat der Architekt Adolf Szyszko-Bohusz in Przegorzały gelebt und gewirkt (und vor allem in dem, was er gewirkt hat, gelebt). Die nach ihm benannte Straße ist denn auch mit einer Vielzahl unterschiedlich alter Straßenschilder beschriftet…

Ältestes gefundenes Schild

Ältestes gefundenes Schild

Straßenschild neueren Datums

Straßenschild neueren Datums

Es zeigen sich zwei Dinge:
Erstens, mein typographisch geneigtes Auge ein bisschen schmerzend, der Gedanken- statt Bindestrich im neueren Schild.
Zweitens ein großes Fragezeichen über meinem Kopf in Bezug auf die verwendete Grammatik: Auf dem neueren Schild ist der erste Nachname, Szyszko, offenbar undekliniert, d.h. es ist anzunehmen, dass der gesamte Doppelname als ein Name betrachtet wurde, der erst am Ende, bei Bohusz (Genitiv: Bohusza), gebeugt wird (was den Gedankenstrich umso irriger macht). Das stimmt zwar nicht ganz mit der Handhabung bei anderen Verkehrsflächen in Krakau überein, etwa dem Bahnhofsvorplatz Plac Jana Nowaka-Jeziorańskiego, wo der erste Nachname Nowak ganz eindeutig ebenfalls dekliniert ist, aber bitte. Mehr verwirrt mich aber die Erkenntnis, dass die Form auf dem älteren Schild, Szyszki-Bohusza, zunächst wie ein doppelt gemoppelter Genitiv à la Nowaka-Jeziorańskiego aussieht – es aber höchstwahrscheinlich nicht ist, da es keinen Genitiv Neutrum auf -i gibt bzw. im Deklinationsschema für Wörter auf -ko in keinem einzigen Fall eine i-Endung vorkommt. In dem Sinn: Was ist das und was soll das? Zu Hülf, in meinem Hirn bildet sich ein Knoten… %-)

Edit: Als Fußnote in einem Artikel zum Übersetzen von Eigennamen ge- und für tröstlich befunden, obwohl ich immer noch nicht weiß, wo dieses -i gemäß Deklinationstabelle herkommen sollte: „Ein Genitiv auf -i kann im Nominativ nur auf -a bzw. -o lauten […]“.

Edit 2: In umgekehrter Richtung – wenn man vom Nominativ ausgehend den Genitiv erklärt bekommen will – heißt es aber dann wieder frustrierenderweise: „Der Genitiv Singular der Neutra auf -o und -e endet immer auf -a: oknookna (Fenster), polepola (Feld), mieszkaniemieszkania (Wohnung).“ Hmpf.

Trotz Wind und grammatischer Verwirrung war es irgendwie ein netter kleiner Ausflug, der mir (nochmal) gezeigt hat, dass es sich im weitläufigen Stadtteil Zwierzynec (benannt nach dem Tiergarten) bei warmem Wetter sicher gut aushalten und ein bisschen durch die Botanik wandern lässt…

* Das hat leider in den ansonsten höchst vorbildlichen Krakauer Verkehrsmitteln Methode: Es wird in alte Straßenbahnen und Busse zwar eine moderne LED-Anzeigetafel montiert, auf dieser werden aber nicht etwa die nächsten Halte eingeblendet, sondern nur hochinteressante Fakten wie die Liniennummer und Endhaltestelle (auch auf der Außenanzeige zu ersehen) oder die aktuellen Namenstage…